Die junge Generation kann sich kein Eigenheim mehr leisten? Inflation macht Immobilienbesitzer reich? Man sollte nur in A-Lagen investieren? ...
Es gibt viele populäre Aussagen in der Immobilienwelt, die immer und immer wieder getroffen werden. Aber stimmen diese auch in der Theorie? Das finden wir erneut in dieser Folge heraus!
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Transkript der Folge
Intro
Sprecher: Herzlich willkommen bei „Hinter der Fassade – Dein Podcast für Anlageimmobilien“. Hier tauchen wir ein in Chancen, Markttrends, aber auch Risiken des Immobilieninvestments. Ehrlich, direkt und immer auf den Punkt. Mach dich gemeinsam mit Claire und Martin bereit, hinter die Fassade zu schauen.
Claire: Hallo Martin.
Martin: Hallo Claire.
Claire: Und herzlich willkommen an alle, die gerade eingeschaltet haben, bei „Hinter der Fassade“, dein Podcast für Anlageimmobilien. Wie geht es dir, Martin?
Martin: Ja, sehr gut, danke. Und selbst?
Claire: Mir geht es auch sehr gut. Draußen ist es ein bisschen kalt geworden, aber sonst alles super.
Martin: Ja, da freut man sich, dass man im Warmen arbeiten darf.
Claire: Ja, auf jeden Fall.
Martin: Stell dir mal vor, draußen auf dem Bau oder so.
Claire: Ja, das Ding. Habe ich heute Morgen auch gedacht. Du kommst dann ins Büro, und dann sind da so die Straßenarbeiter dabei, und du denkst: Boah.
Martin: Das ist schon noch mal eine andere Art von Arbeit, ne? Deswegen Respekt und Anerkennung für alle, die das da draußen machen.
Claire: Auf jeden Fall. Genau, heute spielen wir unser Spiel „Unpopular Opinion“ vom letzten Mal weiter.
Martin: Part two.
Claire: Part two, genau.
Persönliche Frage: Wollte Martin nach 23 Jahren schon mal neu anfangen?
Claire: Und bevor wir reingehen, habe ich heute natürlich wieder eine persönliche Frage dabei. Letztes Mal hast du mir eine bezüglich Matcha-Getränken gestellt.
Martin: Ja, Emmy war auch ganz begeistert, muss ich sagen. Es war ihr ziemlich peinlich, dass sie in einem Podcast erwähnt wurde.
Claire: Ja, aber damit muss man rechnen.
Martin: Damit muss man rechnen. Aber sie hat gesagt, sie hat den auch schon mal probiert, den fand sie nicht so gut. Sie muss es noch mal mit der Kokosmilch testen.
Claire: Auf jeden Fall. Das ist ein Gamechanger. Okay. Und meine persönliche Frage an dich ist heute wieder deep. Du hast mir ja vorhin im persönlichen Gespräch erzählt, wie lange du schon hier bist. Und ich dachte dann wieder so: Boah, das ist so eine lange Zeit. Ich habe mich gefragt: Warst du in dieser ganzen Zeit hier schon mal an einem Punkt, an dem du dachtest: Nee, jetzt brauche ich noch mal einen Neuanfang? Denn es ist ja schon eine sehr lange Zeit, und immer wieder dranzubleiben und immer wieder für das Gleiche zu brennen, ist ja auch nicht in jeder Lebensphase so.
Martin: Nee, also wirklich. Jetzt sagst du „ganz lange“, ja: Insgesamt sind es 23 Jahre, die ich das jetzt schon mache, und das im Schwerpunkt dann auch. Ja, das ist ja der Wahnsinn, ne, über 20 Jahre Immobilie. Und es dauert nicht mehr lange, dann haben wir mit der Unternehmung, die wir hier haben – keine Schleichwerbung –, auch 20-jähriges Bestehen. Wenn man so was mitgründet und aufbaut, dann brennst du sowieso für das Thema. Natürlich hatte ich zwischendurch auch Phasen. Das ist ja Unternehmertum. Wer da sagt: „Nee, das lief immer ganz easy“ und so weiter … Man kannte Phasen des Verzichts, die hast du aber immer gerne gemacht. Das kann sich heute hier gar keiner mehr vorstellen, zumindest in der aktuellen Konstellation nicht. Ich sage mal: Unternehmer und Gründer da draußen mit Sicherheit.
Ab und zu triggert es mich mal, noch etwas anderes zu machen. Vielleicht noch mal andere Dinge, aber eher so, dass ich sage: noch mal nebenbei was anderes schaffen. Denn wir sind hier jetzt auf einem guten Weg, wir haben das gut aufgebaut. Ich habe damals gesagt: Wenn es mal eine Phase gibt, in der ich wirklich 3, 4 Wochen am Stück genervt wäre, ins Büro zu gehen, höre ich sofort auf. Das ist ja der Vorteil, dass ich sagen kann: Ich muss das nicht tun. Aber ich sage immer, das ist ganz spannend, dass du das hast. Gestern kam die gleiche Diskussion, da hatte sich jemand hier aufgeregt, und alles war so doof und so. Da sage ich: Ja, aber du hast dich halt dazu entschieden.
Claire: Genau, man hat es ja immer selbst in der Hand.
Martin: Jeden Morgen. Du hast jeden Morgen die Chance, dich neu zu entscheiden. Und das Spannende dabei ist: Wenn du dich dazu entscheidest, das zu tun, dann zieh es auch durch. Und deswegen muss ich sagen: Ja, es gibt Phasen, in denen du sagst: Mensch, ich würde gern noch mal dies oder jenes. Ich habe da auch genaue Ideen im Kopf, ich habe wahrscheinlich sogar ein, zwei Businesspläne in der Schublade, die genauso funktionieren würden, wenn nicht sogar noch besser. Aber ich sage mal: Jetzt haben wir hier auch über 100 Leute, die hier mitarbeiten, die du teilweise seit über 10 Jahren, 15 Jahren oder seit Gründung an Bord hast, also bald auch fast 20. Das ist ja was Schönes, und deswegen ist es so ein bisschen fast wie Familie. Da steckt dann halt auch mehr dahinter. Da sagst du nicht einfach: „Ja, nee, da habe ich jetzt irgendwie keine Lust mehr drauf, und tschüss.“
Claire: Nee, genau. Aber das hat mich halt interessiert, weil Immobilien ja auch so ein Thema sind, das mal gut läuft und mal nicht so gut läuft. Und da muss man natürlich dann auch durch die harten Phasen durch.
Werte statt Provision: Wie Martin durch Zinsphasen gekommen ist
Martin: Das ist, glaube ich, der große Unterschied bei mir. Das kriege ich bei vielen, vielen Partnern, bei vielen Beratern, aber auch bei vielen Kunden oder Vermögensentscheidern, sage ich mal, mit, die das jetzt seit 10, 15 Jahren machen. Das ist ja auch schon eine super lange Zeit. Aber wenn du das seit 10 Jahren machst, dann kennst du eigentlich nur diese Null- und Niedrigzinsphasen. Und die sagen: „Boah, es ist heute total komplex.“ Und ich sage mal: Ich verstehe es gar nicht, weil … nach der Wertigkeit … Ich habe da einen sehr starken Wertekompass, was das angeht, für mein Empfinden. Ich habe das auch schon damals vor über 20 Jahren so gemacht, bei einem höheren Zinsniveau: dass es um wirtschaftlich sinnvolle Anlageentscheidungen für Kunden geht und nicht nur irgendwie um Profit für denjenigen, der die Beratung macht, oder sonst irgendwas. Und ich habe auch nie diese Fix-and-Flip-Nummern gemacht, bei denen du sagst: Ja, da kannst du bestimmt schnell Kunden mit begeistern, oder [unverständlich], ich sage mal, provisionstechnisch auf dem Kundenrücken optimieren. So was haben wir halt nie gemacht, und deswegen kenne ich andere Phasen. Ich habe das schon immer so durchgezogen.
Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, die letzten 3 Jahre waren nicht herausfordernd. Das waren sie mit Sicherheit. Aber warum läuft es wieder, und warum lief es auch da? Weil wir es immer konzeptionell betrachtet haben, ne?
Sich neu erfinden im eigenen Unternehmen: Innovation statt Stillstand
Martin: Das ist ja das Schöne mit dem „Willst du dich mal neu erfinden?“: Ich glaube, dass wir uns hier neu erfinden. Für mich ist der Podcast so ein Beispiel. Guck dir unseren Podcast an. Diese erste Idee hatte ich, glaube ich, mal vor 5 Jahren. Da kommen immer wieder neue. Jetzt bist du mit an Bord, ne, und jetzt sagst du halt: Ey, cool, lass uns das mal machen. Und jetzt machen wir es ja auch schon.
Claire: Wirklich, ja, seit einem Jahr machen wir hier jede zweite Woche eine Folge.
Martin: Ja, ja, aber das ist ja das. Und deswegen glaube ich: Viele sind immer so darin gefangen zu sagen: „Boah, ich brauche mal was Neues.“ Vielleicht ist einfach die Frage: Muss ich etwas Neues außerhalb haben, oder kann ich mich auch selbst in meinem Unternehmen neu erfinden? Das ist natürlich immer schwierig, wenn du irgendwo einen Job hast, in dem du tagtäglich immer das Gleiche machst, immer die gleichen Klicks setzt und so. Dann bist du irgendwann frustriert und kannst dich dort vielleicht nicht weiterentwickeln. Aber auch da mit dem Vorgesetzten sprechen. Ich muss ja als Unternehmer sagen: Ich bin immer dankbar für jeden, der kommt und neue Ideen reinbringt. Heute Morgen wieder in der Runde: neue Ideen, neue Ansätze, wieder was neu erfinden, wieder was weiterentwickeln. Da ist halt kein Ende. Und sobald du damit aufhörst und einer sagen würde: „Ja, ich bin jetzt zufrieden, und das haben wir doch schon immer so gemacht“, ne, dieser Klassiker – da würde ich sagen: Dann höre ich hier sofort auf. Wenn wir das schon immer so gemacht haben, kannst du ja aufhören, weil du dann keine Innovation mehr hast, ne? Und Innovationen braucht jedes Unternehmen. Und du darfst dich damit nie … Selbst wenn wir Marktführer sind: Es ist toll, dass du Marktführer bist, aber die Kunst ist, Marktführer zu bleiben. Und dafür musst du halt jeden Tag was machen.
Claire: Auf jeden Fall. Dass man eben motiviert bleibt, am Ball bleibt und auch mit der Zeit geht, ne?
Martin: Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit, ne?
Claire: So ist es.
Martin: Meine Güte, was für ein Einstieg. Aber vielleicht sollten wir den Leuten jetzt was darüber erzählen, worauf sie alles achten müssen, um wirtschaftlich sinnvolle Anlageentscheidungen zu finden.
Claire: Spannend. Vielleicht motiviert das ja auch den einen oder anderen, egal in welchem Bereich man arbeitet. Denn ab und zu ist man ja schon mal an so einem Punkt, an dem man denkt: Gehe ich jetzt einen anderen Weg, oder bleibe ich jetzt hier?
Martin: Ja. Man muss sich da immer weiterentwickeln, ne? Das sollte man tun. Wenn du da irgendwann resignierst, das wäre das Allerschlimmste. Dann bitte verlasst euren Job. Wenn ihr da drin resigniert, bringt es euch nichts, weil es dann auch keinen Spaß mehr macht. Das frustriert dich.
Claire: Man verbringt ja schon viel Zeit auf der Arbeit.
Martin: Genau, deswegen habe ich damals … Das ist so die Familie sozusagen, die du dann auch hast. Denn mit denen verbringst du oftmals mehr Zeit, gerade in den Anfangsjahren, in denen du eher deine 10-, 12-, 14-Stunden-Tage hast. So, jetzt aber rein, Claire.
Unpopular Opinion: „Man sollte nur in A-Lagen investieren“
Claire: Rein in das Thema. Okay. Wir haben letztes Mal ja schon über ein paar Unpopular Opinions gesprochen. Da ging es teilweise auch schon um die Themen Rendite, Steuern, Finanzierung oder auch das Mindset der Gesellschaft. Und heute gehen wir noch mal in Rendite und Strategie rein, sage ich mal, was Immobilien angeht. Und da wäre meine erste Unpopular Opinion: Man sollte nur in A-Lagen investieren. Aber ich muss mich kurz korrigieren: Es ist ja eigentlich keine Unpopular Opinion, sondern eine Popular Opinion. Und du sagst, ob das jetzt richtig so ist, oder ob es für dich eher eine Unpopular Opinion ist.
Martin: Nur in A-Lagen. Nee, stimmt nicht. Ich verstehe die Aussage, aber sie ist immer, wenn man drüber nachdenkt, alleine … Nehmen wir eine A-Lage. Ich nehme jetzt das Beispiel München oder Hamburg. Und wenn Hamburg, dann bitte doch direkt an der Außenalster, also wirklich direkt da drin, ne? Oder Viktualienmarkt München wäre total spitze. Ja, grundsätzlich stimmt das, dass das eine tolle Immobilie ist. Und die Wahrscheinlichkeit, dass die Immobilie am Viktualienmarkt in München leer steht, ist sehr, sehr gering, richtig.
Aber jetzt reden wir über Kapitalanlageimmobilien, also über Entwicklungspotenzial, Wert beziehungsweise die Wertschöpfung, die dahintersteht. Und wenn du jetzt noch eine Immobilie am Viktualienmarkt in München hast, dann ist die natürlich erst mal, wenn du sie jetzt kaufen würdest, sehr, sehr teuer, weil das Risiko so gering ist. Das heißt aber auch: Ich kriege den teuren Preis durch die Miete noch nicht kompensiert, meine Mietrendite wäre also erst mal schwächer. Ja, das stimmt. Es sei denn – jetzt kommen wir wieder zum nächsten Thema –, die Immobilie am Viktualienmarkt ist total abgerockt, in richtig schlechtem Zustand, aus der Steigleitung tropft schon das Wasser raus, innen haben sie sie einmal durchgepinselt, und sie wird teuer verkauft, ein bisschen mehr Rendite. Dann kommt für den Kunden aber hinten raus nachher das böse Erwachen, ne? Da spielen also viele Einflussfaktoren mit.
Mietrendite vs. Leerstandsrisiko: Viktualienmarkt oder Fichtelgebirge?
Martin: Jetzt muss man sagen, was das andere Extrem ist. Das eine ist die Mietrendite. Denn klar ist, kurzum: Die Nettokaltmiete im Verhältnis zum Kaufpreis wäre jetzt am Viktualienmarkt – unterstellen wir mal – schlecht, vielleicht ein Prozent Mietrendite. Wenn ich die Immobilie aber finanziere, muss ich Zinsen bezahlen und so weiter und so fort. Das heißt, ich lege relativ viel aus meinem Eigenkapital oder als monatliche Zuzahlung obendrauf.
Das andere Extrem wäre natürlich jetzt die Immobilie – bitte, bitte nicht böse sein, ich nehme einfach nur das Beispiel – irgendwo im Fichtelgebirge, ne? Eine super günstige Schnapper-Immobilie, und da ist auch gerade ein Mieter drin. Und wenn ich die Miete dort im Verhältnis zum Kaufpreis sehe … Die Immobilie möchten halt wenige Leute kaufen, also ist sie günstiger. Da habe ich aber eine tolle Miete im Verhältnis zum Kaufpreis, also eine tolle Mietrendite.
Claire: Ich muss aber auf der anderen Seite damit leben, dass es für mich schwierig wird, einen neuen zu finden, wenn der Mieter mal auszieht, und ich dann im Zweifel alle Kosten selbst tragen muss.
Martin: Genau, ich habe ein höheres Leerstandsrisiko. Höheres Risiko heißt erst mal mehr Rendite. Der richtige Weg ist also, genau zu gucken – und das machen wir ja auch in unseren Analysen –: In welcher Lage, beziehungsweise welche Lage in Deutschland hat welches Potenzial? Und zwar nicht: Was ist dort die letzten 20 Jahre passiert? Und jetzt ist der Standort eine A-Lage. Dann sage ich: Super, da hättest du vor 20 Jahren investieren müssen, ne? So wie: „Wow, Bitcoin hat sich vertausendfacht.“ Ja, stimmt, aber nur, wenn du so ungefähr vor 5 Jahren investiert hast. Die Frage ist doch: Wenn du heute investierst, wird sich der Kurs in den nächsten 10 Jahren noch mal vertausendfachen, und mit welcher Wahrscheinlichkeit?
Wachstumsregionen statt Big Seven: Urbane Zentren und Speckgürtel
Martin: Und genau das Gleiche gilt hier. Es muss vielleicht nicht unbedingt eine A-Lage sein, ne, oder die Big-Seven-Standorte in Deutschland, oder Big Eight mit Leipzig, sagt man sogar oft. Sondern es können natürlich auch Städte sein, die Wachstumspotenziale haben. Wo ich dabei wäre: zumindest bei den meisten Immobilien in Städten, also in urbanen Zentren, zu investieren. Denn grundsätzlich kann man in Deutschland sagen: Wir leben aktuell zu knapp 78 %, also fast 80 – machen wir es mal rund – in urbanen Zentren oder in dem Speckgürtel drumherum, also in allem, was mit dem ÖPNV relativ schnell erreichbar ist. In Hamburg zum Beispiel: Da kannst du auch sagen, das ist dann auch Harburg, ne, oder selbst die nördlichsten Zipfel von Niedersachsen, die mit der S-Bahn noch in 20 Minuten drin sind. Aber auch hier ist das wieder kein Geheimtipp, auch die sind mittlerweile schon super teuer.
Claire: Das ist dann quasi keine A-Lage? Kannst du A-Lage vielleicht noch mal definieren?
Martin: Eine A-Lage ist im Grunde genommen die Top-Top-Top-Lage und der Top-Top-Top-Standort. Deswegen habe ich gerade gesagt: Du musst da auch ein bisschen unterscheiden. Bei den Big Seven, also den 7 größten Standorten in Deutschland, hast du natürlich erst mal Einwohnerzahlen größer 250.000, 500.000, ist doch logisch. Also Berlin, Hamburg und so weiter, Millionenstädte, oder auch Köln.
Mietsteigerungspotenzial: Warum München bei 35 Euro an Grenzen stößt
Martin: Jetzt musst du aber sagen: Da ist es oft schon sehr, sehr teuer, und ich habe die Mietkompensation … In München – ich nehme das Beispiel wieder auf – zahlt man im Neubau jetzt vielleicht 35 Euro Miete pro Quadratmeter. Das kann dir durchaus passieren. Die Frage ist doch aber: Wenn ich meine Miete in den nächsten 5 oder 10 Jahren verdoppeln möchte, dann wären das 70 Euro pro Quadratmeter. Wer soll sich das bitte schön leisten?
Ich mache ein anderes Beispiel auf und nehme einen Standort wie, von mir aus, Leipzig oder Dresden oder Darmstadt, ne? Nicht Frankfurt, sondern Darmstadt. Nehmen wir da mal ein Mietniveau, wenn du in den Speckgürtelregionen bist, aber trotzdem super angeschlossen, und sagst: Mensch, da entsteht auch gerade Großindustrie oder große Dienstleister, große Arbeitgeber, wenn du so möchtest. Das ist also eine Wachstumsregion. In Berlin stellt man das zum Beispiel gerade rund um den Flughafen fest, dass sich auch da Gemeinden stark entwickeln. Dann weißt du: In der Perspektive habe ich jetzt aber vielleicht ein Mietniveau von 7 Euro. Warte mal, wenn ich das verdoppeln möchte, wären das 14 Euro. Ist okay, das kriege ich vielleicht noch hin, oder von 7 auf 10. Aber das würde für das Münchner Beispiel bedeuten: Ich muss von 35 auf 70 oder von 35 auf 50, 55 Euro kommen.
Und das ist in Deutschland immer so: Wir geben ungefähr ein Drittel unseres Einkommens fürs Wohnen aus, auch schon seit 100 Jahren. Das heißt also: Wer soll sich das in Zukunft überhaupt noch leisten können, mit einer steigenden Energiebelastung und so weiter? Das haben wir alles schon thematisiert. Und deswegen würde ich nie sagen: „Ey, du musst unbedingt an einem A-Standort oder bei den Big Seven investieren.“ Nein, du musst dort investieren, wo Wachstumsregionen sind, wo Chancen sind. Das ist ein urbanes Zentrum, ja, Haken dahinter. Aber es muss jetzt nicht dieser Big-Seven-Standort sein, sondern es geht eher um Lagen, um Entwicklungspotenzial. Und auch München und Hamburg und Köln oder sonstige Großstädte haben Stadtteile und Straßen, bei denen wir beide wissen: Da möchtest du trotzdem nicht wohnen, ne? Und deswegen pauschal dieses „Nee, du musst einen A-Standort oder einen Big-Seven-Standort haben“ – nein, auf keinen Fall. Sondern du musst dich schon tiefer damit beschäftigen. Das ist auch elementar wichtig, einer der großen Einflussfaktoren, weil ich die Lage nicht ändern kann. Ich kann nicht sagen: Ich packe da irgendwie noch 4 Räder an meine Immobilie und rolle sie weg. Das funktioniert halt nicht.
Claire: Aber das ist ja auch schon wieder so formuliert: „Man sollte nur in …“ Also genau, ne? Es gibt ja auch noch andere Varianten.
Martin: Ja. Mir hat letzte Woche auch jemand gesagt: „Ja, Martin, aber wir wissen doch, die wichtigsten Sachen sind immer Lage, Lage, Lage.“ Ja, das ist halt nicht der einzige Einflussfaktor.
Claire: Genau, was wir hier schon gelernt haben.
Martin: Und das wäre die gleiche Aussage, ne: Es muss halt ein A-Standort sein.
Claire: Ja.
Unpopular Opinion: „Kurzzeitvermietung wie Airbnb ist die Zukunft der Immobilienrendite“
Claire: Was gibt es noch für Behauptungen? Kurzzeitvermietung, also so was wie Airbnb, sage ich mal als Beispiel, ist die Zukunft der Immobilienrendite.
Martin: Nein, also nein.
Claire: Unpopular.
Martin: Ja, das kann man auch relativ einfach erklären. Erstens gibt es schon die ersten Entwürfe, auch Gesetzesentwürfe, dass Städte so was grundsätzlich erst mal verbieten wollen. Das hat einfach damit zu tun, dass das mittlerweile ja hotelähnlichen Charakter annimmt. Viele Leute sagen ja: „Ich kaufe mir das, und dann kann ich in München am Viktualienmarkt vielleicht sogar meine Miete optimieren, indem ich sage: Mann, ich mache da so ein Airbnb-Modell oder so was drauf. Möbliert, klasse, toll, und kann damit eine tolle Rendite erzielen.“ Das stimmt.
Ich gebe nur einmal zu bedenken: Das ist so ein bisschen auch rosarote Welt. Es geht ja alles so in Richtung Ferienvermietung. Ich selbst habe ja auch ein paar Immobilien, unter anderem auch Ferienimmobilien. Und das Interessante ist: Auch da kümmere ich mich um nichts selbst. Warum? Ich brauche einen Reinigungsdienst vor Ort. Wer managt den? Ich muss es hinkriegen, dass der Schlüssel übergeben wird, ne, wenn Bettenwechsel ist. Da kannst du sagen: „Ja, aber da gibt es doch heute den neuen PIN-Code“ und sonst irgendwas. Ich lebe ja nicht immer bei der Immobilie, die wirtschaftlich sinnvoll ist.
Ich mache ein Beispiel: Ich wohne irgendwo im … Ich nehme wieder das Fichtelgebirge oder irgendwo im tiefsten Harz – da kein Top-Standort – und sage: Mensch, das mache ich jetzt, das vermiete ich jetzt über Airbnb. Ich wohne jetzt hier in Hannover, aber ich finde gerade eine tolle Wohnung in Hamburg. Dann frage ich mich doch: Wie will ich mich darum kümmern? Wie stelle ich zum Beispiel sicher, dass die Endreinigung immer gewährleistet ist, dass das sauber ist, dass, wenn Gläser kaputt sind, die nachkommen, und so weiter und so fort, dass das mit dem Schlüsseldienst funktioniert? Wenn mein PIN-Code an der Tür alle ist, wer regelt das? Fahre ich dann jedes Mal hin? Ich bin relativ schnell im Bereich des Unternehmers.
Ferienimmobilien in der Praxis: Verwalterkosten und ausgefallene Reinigungskräfte
Martin: Und bei meinen Ferienimmobilien kostet das auch richtig Geld. Das kann man ja auch ganz offen sagen: In dem Fall gehen 20 % der Mieteinnahmen an den Verwalter, der das alles managt. Den habe ich letztes Jahr auch gewechselt. Nicht, weil ich es wollte, sondern weil ich es musste. Denn der Verwalter davor hat aufgegeben, weil er sagte, er kann sich auf die Reinigungskräfte nicht mehr verlassen. Und dann melden die sich am Samstagmorgen krank, und dann steht er wieder da und muss alles managen. Und wenn mir das passiert: Ich habe bei Airbnb einen Wechsel, die Wohnung ist nicht gereinigt, und der sagt: „Ich kann die heute nicht reinigen, Martin.“ Und ich weiß, morgen kommt der Nächste, weil ich eine Vollauslastung haben werde, damit ich Geld verdiene. Weißt du, dann sitze ich mit einem Staubsauger und einem Wischmopp im Auto von Hannover nach Hamburg oder nach München. Ja, das macht dann viel Spaß. Und deswegen bist du da dann eher in diesem Unternehmertum.
Claire: Wenn man dazu bereit ist, dann kann es funktionieren.
Martin: Ja, aber dann bist du Immobilienunternehmer. Das ist so, wie du ja auch eine unsanierte Wohnung in einer guten Entwicklungslage kaufen und sie selbst sanieren kannst. Geh rein, reiß den Fußboden raus, mach eine Fußbodenheizung, Estrich neu – das kannst du super, das geht. Natürlich geht das. Aber jetzt reden wir über Immobilienunternehmer und nicht über strategische Immobilieninvestoren, die meist sonst auch noch einen Hauptjob haben und sagen: Nee, ich möchte investieren, ich möchte ein super Objekt, ich möchte, dass der Mieter und das Finanzamt durch Steuerkompensation diese ganzen Dinge für mich aufbauen, und ich kümmere mich um meinen Hauptjob. Und das ist dann investieren, und nicht Immobilienunternehmer oder Ferienvermietung, ne, Claire?
Claire: Auf jeden Fall. Man kann es auf jeden Fall machen, aber es ist jetzt nicht unbedingt die Zukunft, das ist alles andere.
Boardinghäuser und Befristungen: Warum Kurzzeitmodelle auslaufen
Martin: Nee. Und ich bin natürlich total … Ferienvermietung, klar, da bin ich dabei, die wird es eher noch geben. Aber es gibt von vielen Städten schon Entwürfe, dass Airbnb in ihren Städten nicht mehr zugelassen werden soll und dass du, wenn du Wohnungen kaufst, in gewissen Regionen schon Auflagen kriegst, dass du die nicht in eine Kurzzeitvermietung geben kannst. München hat das zum Beispiel auch schon ganz drastisch bei Boardinghäusern gemacht. Früher konntest du Boardinghäuser … Das ist ja, wo, sage ich mal, Leute, die noch keine Wohnung haben, weil sie den Arbeitgeber wechseln, sich dann für 6 Monate einmieten können. Also wirklich ein Betreiberkonzept, super attraktiv, haben wir selbst auch schon mehrfach in München gemacht, wo du auch tolle Renditen erzielen kannst. Aber bei den letzten … Das Letzte, was wir gemacht haben, war befristet: Da darf jemand maximal 6 Monate wohnen, und bei den neuen sollten es nur noch maximal 3 sein. Du merkst also, dass dieses ganze Kurzmodell da eigentlich ausläuft. Und das ist bei Airbnb genau die gleiche Thematik.
Unpopular Opinion: „Man sollte Kredite so schnell wie möglich zurückzahlen“
Claire: Nächste Meinung: Man sollte Kredite so schnell wie möglich zurückzahlen. Es geht hier also um „so schnell wie möglich“.
Martin: Das stimmt beim Eigenheim. Ansonsten nein. Das ist immer dieses: Ich muss das möglichst schnell abzahlen. Ja, das stimmt. Das kommt vielleicht daher, dass man irgendwie denkt: Ja, wenn ich mein Einfamilienhaus oder meine Eigentumswohnung kaufe, dann möchte ich dieses Darlehen, diese Verbindlichkeit, möglichst schnell tilgen. Logisch, ja, genau. Bei einer Kapitalanlage ist das sinnfrei, muss man an der Stelle wirklich sagen, total sinnfrei. Warum? Weil ich die Zinsen steuerlich kompensiere. Je schneller ich das abzahle, desto weniger … Es ist ja jedes Jahr neu, ne? Bei der klassischen Annuität reduziert sich ja jedes Jahr das Zinsniveau, und der Tilgungsanteil erhöht sich bei gleicher Rate. Die Rate bleibt gleich, aber dadurch, dass du das Darlehen immer abknabberst, ist im nächsten Jahr das Zinsniveau geringer.
Und das ist ja das Prinzip: Wenn das Zinsniveau, das ich gegen meine Mieteinnahmen schreiben darf, sinkt, also wenn ich keine Zinsbelastung mehr habe, weil ich mein Darlehen bezahlt habe, muss ich meine Mieten voll versteuern. Grundsätzlich sind Mieten in Deutschland voll steuerpflichtig, aber ich darf zum Beispiel die Verwaltungskosten, die Zinskosten und die Abschreibungen der Immobilie dagegensetzen. Und sobald ich natürlich diese Zinsbelastung aus dem Spiel nehme, komme ich in eine Steuerpflicht.
Eigenkapitalrendite statt Bruttomietrendite: Warum Tilgung bei Kapitalanlagen nicht immer sinnvoll ist
Martin: Und wenn ich gerade dabei bin, das wirtschaftlich zu nutzen und meine Eigenkapitalrendite auszurechnen – das ist eigentlich für Anleger das Wichtigste, nicht nur auf eine Bruttomietrendite zu achten, sondern auf die Eigenkapitalrendite –, dann ist die Eigenkapitalrendite genau das, was für mich entscheidend ist. Und dazu zählen halt auch Steuerrückflüsse, Mietbeteiligung und so weiter und so fort. Das rechnen wir ja auch mit so einem Wirtschaftlichkeitsrechner durch, den wir damals entwickelt haben. Dazu ist es ja nur gekommen, um damals zu sagen: Lieber Kunde, es ist eigentlich völlig egal, ob vorne 3,2 % oder 4 % Mietrendite steht, Bruttomietrendite. Die Frage ist: Was steht dann bei der Eigenkapitalrendite drin? Und wenn du diese Eigenkapitalrendite berechnest, ist es für den Kunden wirtschaftlich sinnvoller, ein Darlehen nicht voll zu tilgen. Vielleicht zu sagen: Es muss nicht. Ich verstehe das: Ich möchte irgendwann auch meinen Mietertrag als Zusatzrente daraus haben, total. Aber wenn ich jetzt sagen könnte: Ach, ich lasse die Zinsbelastung über 20 Jahre komplett voll stehen und spare meine Tilgung vielleicht in einem anderen Produkt an, wo ich so viel Geld angespart habe, dass ich das Darlehen nach 20 Jahren ablösen kann – dann muss ich sagen: Das kann wirtschaftlich sinnvoller sein. Kann, muss man aber genau berechnen.
Claire: Also grundsätzlich … Die Leute, die mal kommen und sagen: „Ich habe das Geld, ich möchte bar kaufen“ – das hatten wir das letzte Mal. Das ist halt auch nicht immer so gut, ne, direkt?
Martin: Nein. Wenn ich die Laufzeit habe, dann sollte ich immer noch den Fremdkapitalhebel nutzen, der in der aktuellen Zinslandschaft heute deutlich attraktiver ist als in der Nullzinsphase.
Claire: Ja, cool. Man kann also auch nicht sagen, dass das eine Meinung ist, die auf alles zutrifft.
Martin: Nein. Aber die kommt aus dem reinen Eigenheim. Da macht das Sinn, weil das eine reine Belastung ist. Ich habe keinen steuerlichen Vorteil, da macht das auch Sinn.
Unpopular Opinion: „Inflation macht Immobilienbesitzer reich“
Claire: Absolut. Das Nächste finde ich ganz interessant: Inflation macht Immobilienbesitzer reich.
Martin: Provokant.
Claire: Ja, sehr provokant, wirklich sehr provokant.
Martin: Was die Leute damit meinen, wenn so eine Aussage, sage ich mal, hier bei uns oder bei dir aufschlägt: Ich kann es erst mal nachvollziehen, weil vom Grundsatzprinzip her Sachwerte bei inflationärer Preisentwicklung eher ein Inflationsausgleich sind. Und Geldwerte, also das klassische Sparbuch, dein Girokonto oder selbst viele Lebensversicherungen, sind halt klassische Geldwerte. Und dein 100-Euro-Schein wird einfach weniger wert, weil du dir weniger dafür kaufen kannst. Bei der Immobilie steigen aber, wenn die Leute auch mehr Einkommen haben und so weiter, die Mieten, und dadurch steigt auch der Immobilienpreis. Der Preis für Steine zum Neubau steigt und so weiter und so fort. Das hängt ja alles zusammen. Wenn wir also Inflation haben und die Steine und die Baukosten steigen, dann brauche ich mehr Miete. Wenn ich nicht mehr Miete kriege, also wenn ich das als Investor nicht kompensieren kann, würde ich nicht mehr bauen. Das wäre die logische Konsequenz.
Und jetzt kann man sagen: Wenn wir eine inflationäre Preisentwicklung haben, dann stimmt das, dann steigen die Immobilien mit der inflationären Preisentwicklung, genauso wie der Goldkurs, der ja gerade so hoch ist wie schon ewig nicht. Aber bei der Immobilie und übrigens auch bei Gold ist es so: Du kannst dir für das, was das Ding wert ist – die Immobilie, wenn du sie verkaufen würdest –, immer noch das Gleiche kaufen wie vor 20, 30 Jahren. Und deswegen mag ich es eher, wenn man sagt: Man wird dadurch nicht reich, aber man hat einen inflationsgeschützten Sachwert. Und das ist, glaube ich, das Entscheidende. Dass du sagst: Ja, die Immobilie kaufe ich heute für 300.000, und in 20 Jahren ist sie 600.000 wert, vielleicht 500, das ist mal völlig egal. Fakt ist aber auch: Wenn du sie verkaufen würdest, kannst du dir an Lebensmitteln et cetera höchstwahrscheinlich genau das Gleiche dafür kaufen wie heute.
Immobilie vs. Gold und Aktien: Inflationsschutz mit Hebel
Martin: Es gibt aber einen ganz, ganz großen Unterschied. Viele Leute sagen: „Ja, aber ich kann ja auch Aktien kaufen, und ich kann auch Gold kaufen, Martin, das sind ja auch Sachwerte.“ Das stimmt. Allerdings muss ich sagen, was da wirklich echt und was ein bisschen unecht ist. Für mich sind das alles Sachwerte: Immobilien, Gold, Silber, also Edelmetalle, auch Kunst und so – natürlich sind das Sachwerte, keine Frage. Nur das Problem ist: Die kann ich immer nur mit dem Geld kaufen, das ich selbst habe. Bei der Immobilie: Wenn ich 100.000 habe, dann kaufe ich mir wahrscheinlich eine Immobilie für 300.000, oder ich finanziere sie voll. Und dann kriege ich meine inflationäre Preisentwicklung von, von mir aus, 2, 3 % auf 300.000, obwohl ich die selbst gar nicht gezahlt habe. Das ist der Riesenunterschied, ja. Und der Riesenunterschied zum Gold: Gold kann ich immer nur für das kaufen, was ich selbst habe. Das finanziere ich nicht, und das zahlt mir auch keinen Steuerrückfluss, ganz im Gegenteil. Und deswegen ist die Immobilie so attraktiv, und wie gesagt, nach den 10 Jahren ja sogar steuerfrei.
Deswegen ist es genau das: der inflationsgeschützte – wie soll ich sagen – Vermögenswert, den du mit Hilfe Dritter aufbauen kannst, der nach 10 Jahren steuerfrei ist und in dem du einen Hebel drin hast. Deswegen sind sicherlich viele Menschen mit Immobilien reich geworden oder sichern ihr Vermögen, durch Immobilien reich, da drin. Aber das hat jetzt erst mal nichts mit der reinen Inflation zu tun. Nicht die Inflation macht dich reich, sondern wenn du clever investierst. Und da kommen wir wieder zu dem Punkt von eben: Du hast doch Darlehen, ne?
Claire: Ja.
Martin: Wenn du vor 20 Jahren ein Darlehen über 100.000 aufgenommen hättest, hättest du dir dafür wahrscheinlich eine 100-Quadratmeter-Wohnung in einer Top-Lage gekauft, die heute das Vier-, Fünffache wert ist. Das Darlehen selbst hat sich von der Kaufkraft her aber durch die Inflation entwertet. Und das ist sozusagen der Hebel, den ich habe: Bei der Immobilie geht der Pfeil bei inflationärer Preisentwicklung nach oben, und beim Darlehen geht die Kaufkraft nach unten. Das bleibt mir. Deswegen, noch zu deiner vorherigen Frage …
Claire: Stimmt, das passt wieder.
Martin: Genau, deswegen macht es keinen Sinn, ein Darlehen möglichst schnell abzubezahlen, zumindest nicht bei Kapitalanlagen.
Claire: Inflation macht Immobilienbesitzer also nicht unbedingt reich, sondern schützt Immobilienbesitzer sozusagen.
Martin: Sie schützt, ja, sie schützt den Vermögenswert, oder schafft es, einen Hebel zu schaffen.
Claire: Genau. Durch inflationäre Preisentwicklung sozusagen den Hebel zu schaffen, weil ich es ja nie selbst bezahle.
Martin: Ja, absolut.
Unpopular Opinion: „Die junge Generation wird nie mehr Eigentum erwerben können“
Claire: Das Nächste geht wieder so in Richtung Mindset der Gesellschaft, und zwar: Die junge Generation wird nie mehr Eigentum erwerben können. Das ist so ein bisschen das, was man ja jetzt auch quasi bei mir im Umfeld …
Martin: Jetzt sind wir für alle da draußen wieder bei Claire, ne? Bei dir der Wunsch nach dem Einfamilienhaus in der ländlichen Region, weil es hier in Hannover dann doch ein bisschen teuer ist. Ist das erstrebenswert? Wäre jetzt meine Gegenfrage. Wenn mir das einer sagen würde: Ist es erstrebenswert, Eigentum zu haben?
Claire: Nee, ich bin da ja mittlerweile auch geheilt.
Martin: Geheilt.
Claire: Und muss das nicht mehr haben. Vor allem dieses sehr Ländliche muss jetzt nicht sein.
Martin: Das Interessante …
Claire: Der Traum, weißt du, dieses … Ja, das ist ja auch irgendwie so ein gesellschaftlicher Traum, ne?
Martin: Ja, ja. Ob da dann immer alles besser ist?
Claire: Haus, Baum, Kinder, Hund. Und selbst die Geranien pflanzen oder keine Ahnung was, ja klar.
Martin: Ja. Grundsätzlich kann sich auch die jüngere Generation Wohneigentum zulegen. Ich glaube, das zielt so ein bisschen wieder darauf ab: Heutzutage ist alles viel zu teuer und so weiter, und die junge Generation wird das einfach gar nicht mehr schaffen.
Claire: Ich sehe auch immer so Reels: Gezeigt werden Häuser, die unsere Eltern gekauft haben, und da siehst du halt total krasse, große Häuser, Villen, keine Ahnung. Und [unverständlich], die wir jetzt kaufen können: Da kommt dann einfach nur so ein Gartenschuppen oder so was. Also überspitzt, ne?
Sparen früher und heute: 20 Prozent für die Lebensversicherung
Martin: Ja, aber das ist doch spannend. Die Frage ist – und jetzt hast du gerade „unsere Eltern“ gesagt, ne? Das Thema hatten wir ja schon mal in einer Folge, ich kann mich daran erinnern. Meine Eltern sind über 70. Und als die sich damals ihr großes Haus mit 300 Quadratmetern gekauft haben, und den Aufbau und sonst was – das war ja im Verhältnis genauso teuer, als wenn du dir heute das große Haus kaufen willst. Ich finde das immer ganz interessant, ich gehe jetzt noch eine Generation weiter: Als mein Opa erzählt hat, er hat damals den Höchstbeitrag in die Lebensversicherung bezahlt, das waren 16 Mark, weil er 80 Mark im Monat verdient hat …
Claire: Das ist ja … Aber da musst du überlegen, das sind …
Martin: Ja, das sind ja 20 % seines Einkommens. Was würde das heute bedeuten, wenn du 20 % deines Einkommens in ein Sparprodukt packst? Und da kommen wir doch genau hin. Das Problem bei der jüngeren Generation ist oftmals – sorry da draußen, ne –, dass wir nicht sparen können.
Claire: So ist es nämlich.
Martin: Aber was heißt nicht sparen können?
Claire: Nicht sparen wollen.
Martin: Nicht sparen wollen, richtig.
Claire: [unverständlich] Weil es einfach an diesen Dingen liegt, die wir ja immer alle haben müssen, und an „mit PayPal später bezahlen“ und bequem machen.
Martin: Und genau: Wasch mich, aber mach mich nicht nass.
Claire: Nass.
Martin: Und das ist ja genau das Thema, ne? Ich möchte das gerne haben, deswegen: Wasch mich, aber mach mich nicht nass. Ich hätte das gerne, ich hätte gern die Penthouse-Wohnung, die Eigentumswohnung in Hannover oder das Haus oder Sonstiges. Und ich habe sogar einen Job. Aber wie soll ich mir das leisten? Ja, dann kommt meine Gegenfrage: Wie oft fährst du in den Urlaub? „Ja, ich fahre doch nur zweimal oder dreimal.“ Und was fährst du für ein Auto, und ist das gekauft oder nicht? Ich nehme wieder meinen Vater, der vor 3 Jahren mit damals 70 zu mir gesagt hat: „Ich kaufe mir jetzt ein neues Auto, einen Jahreswagen.“ Da sage ich: [unverständlich] Da sagt er: „Du kannst dir immer nur die Autos kaufen, die du auch bar bezahlen kannst.“ Und der hatte einen ganz normalen Angestelltenjob im öffentlichen Dienst. Der hat jetzt nicht irgendwie in heutigen Verhältnissen 10.000 Euro im Monat verdient, sondern ganz normal. Meine Mutter war zu Hause. Trotzdem ging das, weil man einfach verzichtet hat und es normal war zu sparen.
Konsum per Klick: Sofortkauf, Social Media und „Jetzt kaufen, später zahlen“
Martin: Und heute ist es halt … Du hast es gerade gesagt, und es geht schon damit los – oh Gott, das soll jetzt gar kein Vorwurf sein –, aber guck dir doch Amazon an. Ich ertappe mich ja selbst auch. Die interessanteste Funktion ist doch heute der Sofortkauf. Du gehst drauf, du willst jetzt sofort kaufen, zack. „Ach, das sind doch nur 30 Euro. Ach, das sind doch nur 20, das sind doch nur 40.“ Und da gibt es die App, da kann ich mir die Klamotten noch günstiger holen oder irgendwas, zack. Und wenn ich das aber natürlich 10-mal mache, dann sind 10 × 30 Euro 300, 10 × 40 sind 400 und so weiter. Und man sollte mal … Das wäre wirklich spannend, das wäre echt meine Frage an euch da draußen. Jetzt geht es fast in so eine Lebensberatung. Gönnt euch einfach mal den Spaß und schreibt euch alle Artikel, die ihr mal so eben [unverständlich] bei Amazon oder mal eben kurz irgendwo bestellt, mal einen Monat oder 3 Monate lang auf. Und guckt mal drauf: Wie viel ist das eigentlich? Und viel interessanter: Habe ich das 3 Monate später eigentlich wirklich gebraucht?
Claire: Und es geht natürlich heute … Du hast viel mehr Einflüsse. Und du hast gesagt … Ich wollte gerade sagen: Es wird dir ja gefühlt jeden Tag, stündlich, minütlich gesagt, was du denn auch brauchst. Denn du gehst auf Social Media, und dann heißt es hier: „Rennt da hin, rennt da hin, ihr braucht das und das.“ Das ist ja wirklich der Standardsatz. Ich bin ja so in dieser Bubble, ich weiß nicht, ob du das ausgespielt bekommst. Aber das ist dann wirklich: „Rennt zu dm, ihr braucht das und das, rennt hierhin.“
Martin: Ja, noch viel schöner wird es wahrscheinlich nicht nur mit „Rennt zu dm“, sondern dass Leute dann sagen: „Ey, ich bin ja der und der Influencer, und ey, ich habe jetzt die tolle …“ – ich bleibe jetzt mal in deinem Genre, wahrscheinlich stimmt es gar nicht mehr – „… die und die tolle Augencreme oder die und die Dings.“ Und viele Leute bestellen die dann und sagen: „Ey, cool, da klicke ich nur drauf.“ Mein Handy fragt: Soll ich automatisch deine Daten eintragen? Ja, trage ich ein, Klick, und zack. Oder selbst: „Nee, das Geld habe ich gerade nicht. Na ja, bezahle ich es nächsten Monat, wird schon.“
Claire: Genau.
Martin: Genau bei diesen Dingen … Das ist heute auch noch eine andere Zeit. Aber wenn ich meinem Vater sagen würde: „Was hast denn du dir damals bei Facebook oder Insta angeguckt?“, dann würde der sagen: „Hä, was? Internet?“
Claire: Richtig, richtig, so.
Martin: Und natürlich sind das andere Einflüsse, und wir sind heute viel empfänglicher. Auf der einen Seite viel empfänglicher, und auf der anderen Seite, glaube ich, stehen wir heute mehr unter Druck. Weil: „Oh, Claire, du hast die Sachen nicht, die die und die hat“, und so. Und das ist halt gesellschaftlicher Druck: Welches Auto fahre ich, welche Dinge habe ich? Und gerade dadurch komme ich in so eine Situation. Und das ist sicherlich auch ein großes Problem der jüngeren Generation: Ich kann kein Vermögen aufbauen – aber nicht, weil ich es nicht kann, sondern eigentlich, weil ich es nicht will, oder weil ich das andere vielleicht mehr will.
Claire: Und das hat, glaube ich, auch absolut nichts damit zu tun, wie viel Geld man in dem Sinne bekommt oder hat. Ich glaube sogar, früher hatten die Leute weniger Geld und konnten trotzdem mehr sparen als Leute heutzutage mit mehr Geld.
Martin: Ja, früher war die Steuerschere noch nicht so, also die progressive Steuer, das ist ein ganz anderes Thema.
Claire: Und es ist alles viel teurer.
Martin: Genau, ja, das stimmt. Aber im Verhältnis sind die Einkommen halt auch … Das Interessante ist ja, wenn du dir die Verhältnisse von Brutto- und Nettolöhnen anguckst. [unverständlich] Da siehst du, dass die Spreizung … progressive Steuer, wer das mal nachgucken möchte. Die Spreizung wird größer. Ich glaube auch, dass dazu noch andere Konsumverhalten und so weiter kommen. Deswegen kann man gar nicht sagen, dass die jüngere Generation das nicht kann, sondern sie will es erst mal nicht, wenn man sich dessen völlig bewusst ist.
Claire: Und es ist halt auch so ein bisschen der Zeit geschuldet, ne, und dem gesellschaftlichen Druck.
Finanzbildung und Verzicht: Strategischer Vermögensaufbau funktioniert bei jedem
Martin: Deswegen ist es eigentlich wichtig, dass man heute viel mehr Aufklärung … Jetzt wird es fast politisch. Dass man mehr Aufklärung leistet. Ich sehe es ja auch bei meinen Kindern, ne. Ich muss immer daran denken, ihnen auch mal zu erzählen: Was ist denn Geld, was musst du dafür tun, und wie sparst du das Ganze auch? Denn irgendwann wird ja eine Situation kommen … Wir kriegen es gerade politisch mit: Bis wann sind die Renten gesichert? Und wenn die Junge Union sagt: „Moment mal, das reicht uns nicht“, und irgendwie funktioniert das mit der jüngeren Generation nicht, die muss ja privat vorsorgen und so weiter. Und da kann ich jedem nur sagen: Strategischer Vermögensaufbau funktioniert bei jedem. Ob es immer mit Immobilien funktioniert? Da würde ich sagen: Nein, es funktioniert nicht bei jedem sofort mit Immobilien. Wer aber den Hebel verstanden hat und vielleicht sogar da draußen einen fähigen Berater hat, der guckt und sagt: „Ja, das macht völlig Sinn. Aktuell geht es nicht, wir brauchen erst mal einen Notgroschen, wir müssen erst mal strategischen Vermögensaufbau machen und können diese Entscheidung in 2, 3 Jahren treffen.“ Aber es wird immer nur durch Verzicht funktionieren, immer nur, wenn ich bereit bin, auch bei Dingen zu sparen, und mir mehr der Lage bewusst bin. Vermögensaufbau von heute auf morgen klappt mit Lotto, aber strategisch selbst garantiert sonst nicht, ja.
Fazit: Behauptungen kritisch hinterfragen – und Martins Buchtipp
Claire: Jetzt haben wir ja so viele Meinungen gehört, und ich würde sogar behaupten, dass du fast alle als unpopular betiteln würdest.
Martin: Ja, dafür kann ich ja nichts.
Claire: Gibt es eine …
Martin: … dass wir das hier kritisch hinterfragen. Weil vieles einfach gesagt wird, aber nicht immer so stimmt, wie es gesagt wird. Oder man muss halt einen Haken, also so Klammer auf, Klammer zu, setzen und sagen: Nee, nur wenn XY. Ja, das ist ja vielleicht auch das Thema. Denn es heißt ja ganz gut „Hinter der Fassade“. Es geht ja einmal um die Immobilie an sich, klar. Aber es geht da ja auch darum, mit irgendwelchem … ich nenne es einfach mal: mit irgendeinem Quatsch aufzuräumen, der da draußen behauptet wird. „Nein, das kann man nicht, und damals waren die Häuser so, heute sind die Häuser so.“ Ja, da würde ich sagen: Guckt euch mal eine Sparrate an, wie die Leute damals gespart haben, und guckt mal, wie wir heute sparen und was wichtiger ist. Das sind natürlich auch Themen, die man einfach mal beleuchten muss. Denn es geht auch darum zu sagen: Wer quasi eine Steuerbeteiligung irgendwo haben möchte und wo eine Mietbeteiligung da sein soll, dann muss ich das strategisch für mich im Aufbau nutzen. Das kann grundsätzlich erst mal jeder, der einen Job hat. Wenn er es nicht alleine hinkriegt: Es gibt tolle Bücher darüber, da könnte ich irgendwann mal ein paar Tipps geben.
Claire: Ja, stimmt, auch mal eine Folge zu machen. „Martins Buchtipps“, ja, genau.
Martin: Ich würde sogar eins reinpacken: „Die Psychologie des Geldes“. Ein super Buch, habe ich echt schon mal erwähnt. Ich finde, das müsste jeder lesen. Wenn da die Verkaufszahlen hochgehen, müssen wir uns … [unverständlich]
Claire: Nein, muss ich auch noch machen. Dann habe ich ein schönes Weihnachtsgeschenk für dich. Oder ich schlage jetzt beim Black Friday zu.
Martin: Ach, siehste. Oh ja. Aber guck mal, das ist das Nächste, ne? Super. Ich würde sagen: Alles, wo du beim Black Friday nicht zuschlägst, damit könnte man dann auch noch den weiteren Vermögensaufbau mit Immobilien vorantreiben.
Claire: Das stimmt, guter Reminder, jetzt noch mal, bevor es losgeht.
Martin: Genau.
Claire: Ja, sehr schön. Dann habe ich tatsächlich noch eine Meinung, die hebe ich mir für nächstes Mal auf. Die mache ich als persönliche Einstiegsfrage, okay? Weil die mehr mit deinem Job zu tun hat.
Martin: Genau, okay, ja. Dann vielen Dank, Claire.
Claire: Danke, Martin.
Martin: War spannend wie immer, und dann freue ich mich auf die nächste Folge.
Claire: Ja, ich mich auch. Bis bald.
Martin: Bis bald. Ciao.
