In dieser Folge von Hinter der Fassade sprechen wir über eine Frage, die aktueller kaum sein könnte: Was denken private Vermieter?
Unser Special Guest: Prof. Dr. Michael Voigtländer (IW Köln) – einer der führenden Experten für Wirtschafts-, Finanz- und Immobilienmärkte.
Er enthüllt exklusive Insights aus dem brandneuen Vermieterreport 2025:
- Warum das moderate Mietanpassungsverhalten viel über Vermieter verrät.
- Welche Botschaften Politik & Öffentlichkeit dringend verstehen müssen.
- Sanierung – weshalb viele Vermieter keine Eile sehen, obwohl es brennt.
Und vieles mehr! Fakten, Hintergründe und Klartext – diese Folge solltest du nicht verpassen.
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Transkript der Folge
Intro
Sprecher: Herzlich willkommen bei „Hinter der Fassade – Dein Podcast für Anlageimmobilien“. Hier tauchen wir ein in Chancen, Markttrends, aber auch Risiken des Immobilieninvestments. Ehrlich, direkt und immer auf den Punkt. Mach dich gemeinsam mit Claire und Martin bereit, hinter die Fassade zu schauen.
Special Guest: Prof. Dr. Michael Voigtländer vom IW Köln
Claire: Herzlich willkommen zur neuen Folge von „Hinter der Fassade“, dein Podcast für Anlageimmobilien. Heute ist eine ganz besondere Folge, denn erstens: Man sieht uns.
Martin: Okay, das haben wir nämlich auch nicht oft.
Claire: Und zweitens haben wir heute einen ganz besonderen Gast mit dabei, und zwar Professor Dr. Michael Voigtländer. Er ist am IW Köln Leiter des Fachbereichs Internationale Wirtschaftspolitik, Finanz- und Immobilienmärkte. Herzlich willkommen.
Michael: Ja, hallo zusammen.
Martin: Ja, hallo, lieber Michael. Kurz zur Erklärung für euch da draußen: Wir sind per Du. Das hatten wir eben im Vorfeld noch mal schnell geklärt. Aber ich freue mich, Claire – danke, dass wir endlich mal wieder einen Podcast zusammen aufnehmen können.
Claire: Ich freue mich auch, und heute endlich mal mit einem Gast. Das wollten wir ja auch schon lange machen. Und wir haben heute auch ein ganz besonderes Thema dabei, und zwar den Vermieterreport 2025. Und da seid ihr beide, würde ich sagen, Experten auf dem Gebiet. Ich habe auf jeden Fall ein paar Fragen für euch beide mitgebracht.
Einstiegsfrage: Nie wieder Leerstand oder nie wieder verspätete Mieten?
Claire: Und bevor es losgeht, habe ich ja immer noch meine Special-Frage auf Lager. Heute dachte ich, ich stelle eine Frage, die auch schon ein bisschen in die Richtung geht. Da müsst ihr jetzt vielleicht ein bisschen nachdenken: Würdet ihr nie wieder Leerstand akzeptieren oder nie wieder verspätete Mieteingänge?
Martin: Gute Frage.
Claire: Aus der Sicht von einem Vermieter.
Martin: Ich muss mich also entscheiden: nie wieder Leerstand oder nie wieder verspätete Mieten.
Claire: Richtig. Michael, du darfst zuerst.
Michael: Für mich ist das klar. Na ja, wenn die Miete verspätet kommt, ist das natürlich ärgerlich, aber zumindest kommt sie dann ja. Aber wenn ich keinen Leerstand habe, ist das natürlich super. Dann habe ich eben auch keine Mietausfälle in dem Sinne. Also deswegen: nie wieder Leerstand, klingt doch super.
Martin: Ja, würde ich auch machen, vorausgesetzt, die Miete kommt.
Claire: Also genau.
Martin: Ich würde sagen: nicht, dass sie quasi vermietet ist, aber die Miete nicht kommt. Das wäre schon die Grundbedingung. Den Mietnomaden hätte ich dann ungern. Aber nie wieder Leerstand – doch, da wäre ich auch dabei.
Claire: Okay, ich dachte, das ist vielleicht ein bisschen tricky, aber eigentlich ist es ja sogar logisch.
Michael: Klar, das war mal eine einfache.
Claire: Mist, ja.
Martin: So anstrengend. Okay.
Claire: Ja, dann starten wir.
Martin: Würde ich auch sagen.
Private Vermieter: Die größte Vermietergruppe in Deutschland
Claire: Genau. Wie ich schon gesagt habe: Thema Vermieterreport 2025. Und da wollte ich erst mal Michael eine Frage stellen, und zwar: Warum ist der private Vermieter für den deutschen Wohnungsmarkt, für den Mietwohnungsmarkt überhaupt so entscheidend? Diese Gruppe ist eine große Bereicherung, würde ich sagen.
Michael: Ja, das ist letztlich die größte Vermietergruppe. In den Medien schaut man gerne mal auf die ganz großen Wohnungsgesellschaften, auf eine Vonovia oder eine LEG oder vielleicht die großen kommunalen. Aber wenn man wirklich mal in die Statistik schaut: Zwei Drittel aller Mietwohnungen in Deutschland werden von privaten Vermietern angeboten. Das sind über 5 Millionen Haushalte in Deutschland, die Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung haben. Und die spielen damit eigentlich die Hauptrolle im Vermietungsmarkt. Insofern macht es Sinn, sich mit ihnen zu beschäftigen. Aber man weiß eben relativ wenig darüber. Es gibt dann so diese Klischees – das sind Miethaie oder Ähnliches –, wenn man sich gerade mal die Debatten anschaut. Aber tatsächlich stellt man einfach fest: Das ist eine sehr diverse, vielfältige Gruppe. Insofern ist es spannend, sich näher mit ihnen zu beschäftigen. Und deswegen haben wir damals eben auch diesen Vermieterreport vorgeschlagen.
Claire: Genau, das wäre sonst auch meine Frage gewesen: Was ist überhaupt der Vermieterreport, und warum ist er so relevant?
Vermieterreport 2025: Durchschnittsalter und Anzahl der Immobilien
Martin: Ja, das hat Michael eben schon schön gesagt. Der größte Teil, ich glaube knapp 60 %, sind da Privatpersonen, die Wohnungen vermieten. Das wäre für mich auch die These gewesen, wenn man sich das Wachstumschancengesetz und diese ganzen steuerlichen Anreize anguckt: Das macht man natürlich auch gerade im Wohnungsmarkt für diejenigen, die vermieten. Aber ich weiß gar nicht: Wie war das Durchschnittsalter der Menschen, die vermieten, im Vermieterreport?
Michael: Das ist ja tatsächlich über 55, also Durchschnittsalter 57 Jahre. Viele sind deutlich älter, schon im Rentenalter. Das ist, glaube ich, auch typisch. Klar, das sind nicht unbedingt diejenigen, die jetzt bei euch einsteigen und sagen: Ich möchte eine Kapitalanlageimmobilie erwerben. Es gibt einfach ganz viele Leute, die schon über Jahrzehnte vermieten, die vielleicht auch Immobilien geerbt haben und die weiter vermieten. Und das ist tatsächlich auch die größte Gruppe.
Martin: Wobei man ja sagen muss – du hast das eben so schön gesagt mit dem Erben, was ich immer noch ganz spannend finde –: Die nächste Erbengeneration kommt ja erst. Jetzt kommen die Babyboomer, ich weiß nicht, wie viele es waren, 16 Millionen, glaube ich, die in den nächsten – hilf mir – 5 bis 10 Jahren dann in Rente gehen. Das heißt, da kommt ja dann der nächste Schwung nach. Das wäre ja sowieso meine These: dass man mal für diejenigen gucken sollte, die Immobilien erben – nutze ich Themen wie Restwertgutachten oder sonstige Sachen? Ich glaube, das wird noch ein ganz spannender Markt in der Zukunft.
Es war aber auch so, dass in dem Vermieterreport viele dabei sind, die nur eine Immobilie haben, glaube ich. Über die Hälfte, korrigiere mich, wenn es falsch ist. Das fand ich eigentlich ganz spannend. Ich nenne sie ja manchmal auch Amateurvermieter – meine ich nicht böse –, aber das sind meist diejenigen, die dann auch nicht professionell die Mieten anpassen, weil Lieschen Müller oder wer auch immer die letzten 20 Jahre pünktlich gezahlt hat: Was soll ich da anpassen? So wäre jetzt mein Eindruck.
Michael: Ja, es ist tatsächlich so. Die meisten haben eine Immobilie. Es gibt ganz wenige, die jetzt 10 Immobilien oder Ähnliches haben, das ist im Gesamtmarkt tatsächlich auch eher ungewöhnlich. Vielleicht noch 2 oder 3 Immobilien. Aber für die meisten ist es tatsächlich einfach eine große Investition neben dem Eigenheim. Die meisten haben durchaus auch eine selbst genutzte Immobilie und dann eine Zusatzimmobilie, das ist so klassisch. Diese Großanleger, die wir ja auch häufig so in den Bildern haben, mit 100 Immobilien oder Ähnlichem, das ist äußerst, äußerst selten.
Martin: Da würde mich an der Stelle mal interessieren: Du hast ja eben gesagt, Durchschnittsalter 57 beim Vermieterreport. Gibt es eigentlich auch eine Studie darüber, wie alt die Menschen sind, die jetzt aktuell in Immobilien investieren? Denn mein Eindruck, mein persönlicher, ist, dass sich natürlich viele jüngere Menschen mit diesem Thema Kapitalanlage oder auch Aktien oder allgemein mit diesen Themen beschäftigen. Gibt es da irgendwas?
Michael: Tatsächlich nicht. Mit unserem Vermieterreport stoßen wir ja schon in so eine Lücke, weil relativ wenig gemacht wird. Es gibt noch Befragungen von Haus & Grund, da ist das Durchschnittsalter sogar noch mal etwas höher. Aber es wäre wirklich mal spannend, die zu befragen, die jetzt so neu einsteigen. Eigentlich müssten wir da mal kooperieren, dass ihr eure Kunden befragt, die da einsteigen. Damit man da mal ein genaueres Bild hat, vielleicht auch zur Motivationslage, und das vielleicht auch mal von denen abgrenzt, die eben schon so lange dabei sind. Ich glaube, das wäre wirklich mal spannend, um auch so einen anderen Blick auf dieses Segment der Kapitalanleger zu haben.
Motivation privater Vermieter: Altersvorsorge und Zusatzeinkommen
Martin: Ja, und ruckzuck haben wir hier schon die nächste Studie. Ich nehme das mal mit. Denn für mich ist ja immer die Frage, wenn die Leute Immobilien haben oder auch vermieten: Was ist dabei die Motivation? Für mich ist die Motivation, warum ich Immobilien habe, relativ klar. Aber kannst du was zur Motivation sagen? Warum machen die Leute das, warum haben die Immobilien?
Michael: Ja, das haben wir ja auch abgefragt. Tatsächlich sagt die Mehrzahl Altersvorsorge, 58 % sagen Altersvorsorge. Weitere sagen, es soll ein zusätzliches Einkommen sein. Auch das Thema sichere Kapitalanlage spielt eine Rolle. Themen wie zum Beispiel Steueroptimierung spielen für die meisten gar nicht so eine große Rolle. Sondern es ist wirklich ganz traditionell dieses Thema: Ich möchte was für meine Altersvorsorge tun.
Claire: Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass das bei der jüngeren Gruppe, sage ich mal, selbst wenn es jetzt immer jünger wird, trotzdem die gleiche Motivation ist. Wenn ich jetzt an meine Generation denke, ich glaube, die denken, sage ich mal, auch schon ein bisschen weiter und sagen: Nee, Altersvorsorge ist … Und wenn man halt eben für die Zukunft …
Eigenheim vs. vermietete Immobilie als Altersvorsorge
Martin: Ja, da finde ich immer … Das finde ich mal spannend, wenn man „Altersvorsorge“ sagt. Wenn man sagt, eine Zusatzrente durch Mieterträge, bin ich da total dabei. Aber Altersvorsorge sagen auch ganz viele Leute beim Eigenheim. Und das sehe ich als Kapitalanlage überhaupt nicht, weil da natürlich Themen wie Sanierung sind, da muss das Bad neu gemacht werden und so weiter und so fort, und ich habe per se eigentlich auch einen höheren Standard. Deswegen finde ich das Eigenheim für Altersvorsorgezwecke nicht geeignet. Das hatten wir schon, genau.
Claire: Emotional.
Michael: Ja gut, das Eigenheim ist ja letztlich ein Mischgut. Du hast einerseits diesen Konsumcharakter: Ich lebe drin, ich lebe mich aus und kann es gestalten, wie ich möchte. Aber natürlich steckt beim Eigenheim ja auch ein Wert dahinter. Ich kann es ja auch später noch mal verkaufen, ich kann es beleihen. Ein bisschen was als Investment hat man da also schon. Aber bei der Kapitalanlage ist man natürlich noch mal flexibler. Und ich finde es schon auch nachvollziehbar, dass die Leute sagen, das ist eine Altersvorsorge, gerade auch in der Mischung. Es gibt eine gesetzliche Rente, die deckt hoffentlich so das Mindeste ab. Dann gibt es eben die verschiedenen Versicherungen, Riester-Renten et cetera, bei denen es eine Zusatzeinnahmequelle gibt. Und bei der Immobilie habe ich dann eben die Möglichkeit, wirklich auch im Alter noch mal zu sagen: Okay, wenn ich mehr Geld brauche, weil ich mich vielleicht irgendwo in ein Pflegeheim einkaufen möchte oder weil irgendwas Größeres ansteht, auch im Eigenheim, dann kann ich sie halt noch mal verkaufen, wenn ich möchte. Oder ich freue mich einfach über die zusätzlichen Einnahmen, oder ich tue was für meine Erben und kann sie weitergeben. Ich glaube also, dass die vermietete Immobilie da schon auch noch mal eine zusätzliche Flexibilität bietet, die viele andere Altersvorsorgeinstrumente nicht haben.
Martin: Ja, glaube ich auch, da bin ich total bei dir. Klar. Aber genau, ich muss einfach sagen: Das Eigenheim kann ich klassisch steuerlich nicht geltend machen, ich habe alle Kosten bei mir und so weiter und so fort. Bei der Kapitalanlageimmobilie finde ich halt auch das Thema Fremdkapitalhebel, gerade bei einer Inflation. Wenn man überlegt, man hat sich vielleicht noch ein altes Zinsniveau gesichert, dann würde ich sagen, ist es auch ganz attraktiv: Wenn da jetzt noch ein Darlehen zu irgendwie 1,1 % drauf steht, bei einer Inflation, die wir dann irgendwo um 3 haben, ist das, glaube ich, auch noch mal ein Hebel, den man mitberücksichtigen müsste oder sollte.
Mietanpassung: Warum 50 Prozent der Vermieter die Miete nicht erhöhen
Martin: Aber ich bin natürlich dabei, das wäre auch mein nächster Punkt: das Thema Mieten. Wenn ich eine Anlage habe, dann muss ich die halt auch professionell verwalten. Ich muss auch mal Mieten anpassen. Das wäre so, als wenn ich bei Aktien sagen würde: Oh, da gibt es eine Dividendenausschüttung, eine dicke, die lasse ich jetzt mal sein, weil ich die Aktie ja so toll finde, weil die meine Lieblingsfarbe Grün hat. Das funktioniert ja auch nicht. Aber bei den Mieten und Mietanpassungen auch – das war ja im Vermieterreport drin.
Claire: Ja, wie sieht es damit aus? Also Mietanpassung, ja.
Martin: Ich war erschrocken. Also Michael, sag gerne was dazu.
Michael: Ja, eigentlich bestätigt der Vermieterreport ja auch andere Untersuchungen, die es da schon gab. Auch das Bundesinstitut für Immobilien hat schon mal so eine große Befragung in Auftrag gegeben. Und da zeigt sich immer: 50 % der Vermieter machen eigentlich gar nichts, die haben die Miete in den letzten 12 Monaten gar nicht angepasst. Erstaunlich viele lassen die Miete auch bei einem Neuvertragsabschluss unverändert. Man kann das wohlwollend interpretieren. Es gibt dann immer diese Interpretation, die sagt: Na ja, der private Vermieter hat den Mieter oftmals ganz in der Nähe, man sieht sich täglich, und dann möchte man da nicht unbedingt Ärger haben und ist an einem konfliktfreien Mietverhältnis interessiert. Aber es ist natürlich auch irgendwo eine Form der Bequemlichkeit, die dahintersteht, vielleicht auch eine Konfliktscheu. Viele tun sich damit also schwer.
Und das ist, glaube ich, auch immer das, was viele unterschätzen, die sagen: Ich mache das alles alleine. Ich glaube, viele Vermieter, die sagen: „Ich kaufe die Immobilie selbst, ich mache die Nebenkostenabrechnung, ich saniere und führe eben auch die Mietergespräche“, stellen ganz schnell fest: Das ist viel Arbeit. Und deswegen finde ich das eben auch so spannend, was ihr eigentlich anbietet, was vielen auch gar nicht so bewusst ist: dass es eben auch so eine Komplettlösung gibt, dass das jemand für mich macht, der eben guckt, dass die Mieten da auch wirklich angepasst werden, dass, wenn es notwendig ist, eben auch mal saniert wird und dass die Nebenkostenabrechnungen auch gemacht werden. Die Ergebnisse zeigen letztlich: Na ja, da ist sicherlich vieles im Markt, was nicht optimal gemanagt ist, wo wirklich noch viel, viel Optimierungspotenzial ist.
Martin: Na ja, wenn du gerade 50 % sagst … Dass man vielleicht nicht laufend die Miete anpasst – das wäre mein [unverständlich]-Beispiel, die zahlt immer und zahlt auch schon die letzten 5 Jahre. Aber wenn du sagst, 50 % bei Neuvertragsabschluss … Da ist es doch das Einfachste, dann zu fragen: Wo bin ich in der Region, kann ich mal Mieten anpassen? Bei uns ist es ja so, dass wir dafür einen professionellen Verwalter haben, der das Ganze managt. Und wenn du sagst, 50 % der Leute machen das gar nicht, und du hast gesagt, wir haben 5 Millionen Vermieter, dann hätten wir ja – ich meine das jetzt gar nicht … Oh Gott, jetzt fühlt sich ja einer mal auf den Schlips getreten. Aber zweieinhalb Millionen sind dann ja Amateurvermieter, das muss man ja sagen, die das nicht als strategisches Investment entwickeln, die vielleicht keinen professionellen Verwalter haben. Vielleicht auch – und das wäre ja auch meine These dahinter –, vielleicht haben die auch Immobilien, die jetzt nicht gerade in der gefragtesten Lage sind, also ländliche Region, wo ich dann vielleicht sogar froh bin, wenn überhaupt ein Mieter einzieht. Ich glaube: Wenn du in Berlin eine Wohnung hast, die jetzt die letzten 5 Jahre vermietet war und aus der heute einer auszieht, dass man da die Neuvertragsmieten anpasst …
Michael: Ja, aber gerade in Berlin, wenn wir uns das anschauen: Die Spreizung ist ja riesig, ne? Du kriegst in Berlin tatsächlich ja immer noch auch für 8 Euro den Quadratmeter in der Neuvertragssituation.
Martin: Wenige Angebote, aber das gibt es, von den 2,5 Millionen Amateurvermietern.
Michael: Ja, sicher. Und ich meine aber auch im ländlichen Raum: Ich würde ja auch sagen, mindestens die Inflation müsste man schon versuchen abzudecken. Die Inflation, das sind die allgemeinen Steigerungen der Lebenshaltungskosten. Da müsste ich ja mindestens das Interesse haben, dass die irgendwo auch über die Miete eingefangen werden. Aber auch da sind einige, die das aus welchen Gründen auch immer letztlich liegen lassen. Und das ist eben ein deutlicher Hinweis darauf: Na ja, da ist eben auch nicht alles wirklich so professionell gemanagt.
Vermietungswege: Immobilienportale vs. persönliches Netzwerk
Martin: Aber das war für mich auch der Punkt: Ihr hattet ja auch das Thema, über welche Wege überhaupt vermietet wird. Da muss ich sagen, das hätte ich auch komplett anders gedacht. Das war für mich dann wirklich eine Erkenntnis. Übrigens für diejenigen, die den Vermieterreport haben wollen – an der Stelle können wir es vielleicht einschieben.
Claire: Ja, können wir auf jeden Fall einschieben. Er lässt sich in der Caption downloaden.
Martin: In unserem Podcast in der Caption.
Michael: Caption, Shownotes – wirklich sehr schön.
Claire: Ach, ich sage Shownotes.
Martin: Ich kenne auch den Begriff Shownotes.
Claire: Ja.
Martin: Siehst du, da sehen wir ja sehr schön aus.
Claire: Ja, ja.
Martin: Das fand ich interessant. Vielleicht kannst du noch mal was über die Vermietungswege an sich sagen.
Michael: Ja, klassisch sind ja Immobilienportale, dass man da inseriert. Und natürlich nutzen auch wir oftmals Daten aus Immobilienportalen. Aber 47 % haben gesagt, sie nutzen diesen Weg. Mehr noch nutzen persönliche Netzwerke. Was heißt das? Ich inseriere gar nicht, sondern ich frage im Bekanntenkreis, oder vielleicht habe ich schon jemanden im Bekanntenkreis, der sagt: Ich möchte da einziehen. Das liegt natürlich auch einfach daran … Gerade das Beispiel Berlin: Wenn ich in Berlin eine günstige oder halbwegs günstige Wohnung habe und die inseriere, dann werde ich mit Anfragen zugeschüttet. Es gibt Vermieter, die berichten, dass dann 500 Anfragen innerhalb eines Tages kommen. Und dann ist man einfach komplett überfordert. Und gerade in diesen Marktphasen, in denen es so angespannt ist, sagen viele Vermieter: Na ja, dann suche ich doch lieber im Bekanntenkreis, dann ist es eben nicht so schwierig auszuwählen, und ich werde da nicht überfordert.
Aber dann ist natürlich auch wieder dieses Thema Mietanpassung. Dann kommt natürlich schnell: Okay, wenn ich jetzt eben an den Sohn meiner Arbeitskollegin vermiete, dann tut man sich schon schwer und fragt sich: Soll ich jetzt wirklich die Miete anpassen? Ach, dann lasse ich sie doch konstant, der ist doch so nett, und keine Ahnung. Aber das passt natürlich schon ineinander. Hättest du das nicht gedacht? Du warst da jetzt so …
Professionelles Investment statt Liebhaberei: Rücklagen für Sanierung bilden
Martin: Für mich ist ja immer die Frage: professionell oder Liebhaberei? Das klingt immer hart. Aber wenn ich das natürlich als Investment sehe und es professionell vermieten möchte … Ich könnte natürlich sagen: Ja klar, den Sohn – du hast es eben so schön gesagt – der Nachbarin, den kenne ich vielleicht auch schon lange und so weiter und so fort. Aber ich würde ja bei meinem Investment keinen Abschlag machen. Ich sehe das wirklich rein als Investmententscheidung. Und da ist die Frage: Wie viel Abschlag möchte ich denn machen, und ist das irgendwann eine Liebhaberei? Ich habe die Wohnung, das ist ja auch ganz schön, aber wenn ich dadurch jeden Monat 50 oder 100 Euro sozusagen verschenke … Klar, derjenige, der sagt: „Na ja, ich habe eh schon 20 Wohnungen“ – aber jetzt haben wir festgestellt, die meisten haben nur eine. Da ist die Frage: Ist das für mich dann Liebhaberei oder nicht?
Und es wird ja irgendwann … Das darf man ja auch nicht unterschätzen. Es ist erst mal schön, dass ich diese Wohnung habe, aber irgendwann werden natürlich auch Sanierungen auf mich zukommen oder sonstige Themen. Das ist ja auch in den Vorträgen, die wir dann auf Veranstaltungen oder so halten, mit den Klimazielen, die da irgendwo gesteckt sind und so weiter und so fort. Der größte Teil unserer Wohnungen in Deutschland – ich glaube, es sind über 60 % – ist bereits über 40 Jahre alt. Da sind Sanierungen fällig. Also muss ich ja auch irgendwann mal mein Geld reinholen, damit ich mir die Sanierung leisten kann. Und wenn ich anfange, da Liebhaberei zu betreiben, wird aber auch der Sohn der Nachbarin sagen: „Na ja, das Badezimmer ist jetzt über 40 Jahre alt. Ich hätte schon …“ Auch wenn er einen Euro weniger zahlt, hätte er trotzdem irgendwann mal ganz gern ein neues. Und da kann ich ja nicht sagen: „Na ja, das kriegst du jetzt aber erst in 30 Jahren, du musst noch ein bisschen mit den grasgrünen Fliesen …“ – wobei die ja wieder in sind – „… musst du noch mit leben.“ Ich habe also Sanierungen und Klimathemen, die ich trotzdem in meinen Wohnungen umsetzen muss.
Claire: Ich glaube, das ist einfach in den Menschen drin. Manche Menschen sind da vielleicht auch ein bisschen fauler, sage ich mal, oder so. Die nutzen dann einfach dieses Soziale mehr, und es sind halt kürzere Wege, glaube ich, und auch mehr Vertrauen.
Michael: Aber das finde ich schon irre. Es gibt ja auch diese Fernsehberichte von dem Vermieter, der in München vermietet und nur bei 60 % der Vergleichsmiete ist. Und dann regt er sich so auf, weil die nächste Generation dann ja richtig Erbschaftssteuer zahlen muss. Und da denke ich auch immer: Trennt das doch, ne? Wenn ihr sozial wirken wollt, nehmt doch die ganz normale Miete, und das, was ihr zu viel habt, spendet ihr dann eben für das Rote Kreuz oder für Amnesty International oder wen auch immer. Macht das so, dass es treffsicher ist. Aber es macht doch gar keinen Sinn, da irgendwelche Mieter besonders zu unterstützen, die vielleicht auch gar nicht darauf angewiesen sind. Und das ist, glaube ich, genau die Mentalität, die wir da mehr brauchen, und das ist genau richtig, was du sagst: Das ist ein Investment, da sollte ich versuchen, eben das Geld auch zu bekommen. Man muss es nicht überdrehen, aber man sollte doch auf das schauen, was einem aus Marktsicht da auch zusteht. Und dann sollte man eben gucken: Was mache ich mit einem Überschuss? Dann kann man ja immer noch sozial wirken oder in welche Richtung auch immer, oder auch jemanden im Bekanntenkreis unterstützen, wenn man meint, das ist sinnvoll. Aber das über die Miete zu machen, ist sicherlich nicht der beste Weg.
Energetische Sanierung: Klimaziele 2045 und Sanierungsquote
Martin: Und ich glaube, gerade noch mal zurück auf dieses Sanierungsthema: Ich finde es halt so spannend. Der größte Teil unserer Wohnungen in Deutschland ist einfach alt. Ich glaube, 50 % … der zweitgrößte Klimakiller, glaube ich, nach dem Auto, irgendwo für 50 % des CO2-Ausstoßes verantwortlich. Und jetzt müssen wir überlegen: 2045 wollen wir klimaneutral sein. Das wurde letztens auch im Vortrag ganz schön gesagt, ich glaube, Hamburg bis 2040, Köln – also ich sage mal, deine Region da unten – 2035, sportlich. Ich glaube, aktuell kommt keiner dahin, dass er sagt: Na ja, da muss ich jetzt 2030 sagen.
Aber das ist ja für mich die Frage. Ich habe mal in einer anderen Studie gelesen: Nehmen wir die Dekade, in der wir eigentlich eine Nullzinsphase hatten. Da haben wir doch so wenig energetisch saniert wie noch nie. Jetzt kommt das aber alles auf mich zu. Und da muss ich doch sagen: Wenn ich jetzt das Geld, ich sage mal, der marktüblichen Miete kriege, um Rückstellungen zu bilden, um meine Wohnung klimatechnisch zu sanieren, neue Fenster oder sonstige Themen zu machen, dann ist das ja auch etwas Gutes, wenn man so möchte. Wie siehst du das mit der Sanierung?
Michael: Ja, definitiv. Und ich erinnere da auch an die Diskussion rund um den Mietendeckel in Berlin. Da haben sich nämlich dann die gemeinnützigen Vermieter, also Wohnungsgenossenschaften, kommunale Wohnungsunternehmen, gemeldet und gesagt: Wenn jetzt die Miete derart beschränkt wird, dann haben wir einfach kein Geld, um in neue Immobilien zu investieren, aber auch nicht, um zu sanieren. Und wenn diese Vermieter das schon sagen, dann gilt das natürlich für alle anderen auch. Es ist vollkommen richtig: Wir haben wahnsinnig viel zu tun im Wohnungsmarkt. Wir müssen die Sanierungsquote eigentlich verdoppeln. Wir sind bei einem Prozent pro Jahr, wir müssten eigentlich 2 % pro Jahr machen, um dieses Klimaschutzziel zu erreichen. Wobei: Je weniger wir im Moment sanieren, umso mehr müssen wir natürlich bis 2045 tun. Das sind etwa 36 Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich, die wir in die energetische Sanierung investieren müssen. Das ist eine ganze Menge.
Und wenn man sich dann auch im Vermieterreport anschaut: Da haben zwar einige in den letzten Jahren etwas getan, 30 % haben die Heizungsanlage gemacht, Fenster haben 23 % gemacht, Dämmung. Aber eigentlich reicht das noch nicht, mit Blick auf das, was 2045 kommt. Man muss eben auch feststellen: Viele haben sich damit auch noch gar nicht richtig beschäftigt, die wissen gar nicht, was da wirklich auf sie zukommt. Da ist also noch eine ganze Menge zu tun an Aufklärungsarbeit, aber auch eben an Investitionen, die dann notwendig sind.
Warmmiete senken, Kaltmiete entwickeln: Energiekosten als Chance
Martin: Ja, was doch eigentlich … Wenn man überlegt, dass die Leute jetzt – du hast es gerade so schön gesagt – Heizung 30, Fenster 3 und so weiter … Im Grunde sind das alles Dinge, die darauf einzahlen, dass ich Energiekosten spare. Das ist ja eigentlich so das Thema gewesen. Mittlerweile ist es in manchen Objekten so – ein Bekannter von mir in der Nähe von Heidelberg zahlt selbst 6 Euro kalt, zahlt aber 7,50 Euro warm, weil er Nachtspeicheröfen, also so einen Krams hat. Was bringt es denn, wenn ich dann da irgendwo bei 13,50 Euro Miete bin? Dann kann ich sagen: Ja, ist total toll. Es ist aber auch eine Belastung des Mieters, nur für den, der das Haus besitzt. Der täte ja vielleicht auch ganz gut daran, sich mit solchen Themen zu beschäftigen, ortsüblich zu vermieten, das Ding zu sanieren. Denn der Mieter an sich geht ja eh nur von der Warmmiete aus, nicht von der Kaltmiete. Also warum nicht Warmkosten durch energetische Sanierung sparen, um die Kaltmieten sozusagen für mich als Investor zu entwickeln? Das finde ich zum Beispiel im klassischen Bestandsbereich ganz spannend. Oder warum viele natürlich auch gerade auf Neubau mit KfW 40 und sonst was stehen: weil die Energiebelastung sozusagen geringer ist. Das ist, glaube ich, auch ein Motiv, das genau in diesen Dingen steckt.
Ich glaube, da bin ich total bei dir: Im Bestand haben wir einen Riesenaufholbedarf. Energie wird [unverständlich] Und schlimm finde ich eigentlich, dass die Leute sich jetzt erst irgendwo mal … Von 2019 bis 22 ist, glaube ich, der Primärenergiebedarf um über 300 % gestiegen. Wenn wir uns jetzt überlegen: Ja klar, die Wärmepumpe nimmt zu, aber ich glaube, 75 % der Wohnungen werden trotzdem noch mit Öl und Gas beheizt. Das sollte sicherlich auch ein Antrieb sein, also ein Antrieb für die Vermieter.
Ältere Vermieter: Komplexität, Förderung und fehlende Planungssicherheit
Claire: [unverständlich] zwischen jüngeren Vermietern und älteren? Dass sich vielleicht Jüngere mehr mit diesem Thema beschäftigt haben oder beschäftigen als Ältere, kann man das so sagen?
Michael: Die Älteren tun sich schon schwerer, das wissen wir aus vielen, vielen Untersuchungen, dass die das eher wegschieben. Natürlich hängt es auch damit zusammen: Die Amortisationsdauer ist natürlich auch ein Thema. Wenn es teilweise 10 bis 20 Jahre dauert, bis sich das rechnet, dann sagen viele auch: Na ja, lohnt sich das denn? Aber ich glaube auch, vor allen Dingen ist das ganze Thema so komplex, dass es viele einfach überfordert. Erst mal muss ich mir Gedanken machen: Was sind denn eigentlich die richtigen Maßnahmen? Dann muss ich mir Gedanken machen: Welche Förderungen gibt es dafür? Dann stellt sich die Frage: Na ja, wie kriege ich denn die Handwerker, die ich dafür eigentlich brauche? Das sind alles Riesenthemen, bei denen viele dann einfach sagen: Ach, das schiebe ich jetzt erst mal weg.
Und dann kommt eben noch das Politische hinzu. Die Ampelregierung hat wahnsinnig auf die Wärmepumpe gedrückt, und jetzt heißt es dann: Na ja, wir wickeln vielleicht das GEG wieder ab, und es gibt vielleicht was ganz anderes. Ich glaube, das trägt auch dazu bei, dass viele sagen: Ach, dann warten wir doch erst mal. Und ich glaube, das Entscheidende für das Thema ist eigentlich, dass es da politisch mehr Planbarkeit gibt. Dass man den Leuten wirklich klar sagt: Die CO2-Bepreisung kommt, fossile Energien werden teurer. Und dass man sich dann wirklich durchrechnen kann, warum sich der Umstieg auf Wärmepumpen lohnt, oder auf andere Technologien, von mir aus auf andere erneuerbare Energien.
Und was, glaube ich, auch ganz wichtig ist: dass wir da auch einen gewissen Pragmatismus entwickeln. Wir haben Förderprogramme in Deutschland, die immer noch darauf abzielen, dass ich unbedingt Energieeffizienzklasse A erreichen muss. Und das ist überhaupt nicht notwendig. Es reicht oftmals auch C oder D. Wenn ich das eben mit erneuerbaren Energien kombiniere, dann habe ich deutlich moderatere Investitionskosten, aber eine dauerhaft tragfähige Lösung und bin eben auch klimaneutral. Da müssen wir jetzt eigentlich hin, dass es diese Anpassung gibt. Aber solange da noch keine richtige Planungssicherheit ist, ist es, glaube ich, schwierig.
Es ist aber vielleicht natürlich auch nach wie vor eine Chance für sehr professionelle Anleger und eben auch, ich sage mal, Fondsanbieter oder Investoren, die eben so Komplettangebote für die Anleger machen. Die von vornherein sagen: Na ja, ich habe hier eben eine Lösung, wir kaufen hier eine gebrauchte Immobilie, eine Bestandsimmobilie, ich habe einen Sanierungsfahrplan, ich habe die Handwerker und ich habe das Konzept. Das macht für viele schon mehr Sinn, als tatsächlich alles selbst auf die Beine zu stellen.
Politische Anreize: Emissionseffizienz, CO2-Preis ab 2027 und Fachkräftemangel
Martin: Aber wenn du sagst, was man politisch machen müsste: Da bin ich total bei dir. Man müsste jetzt eigentlich Anreize schaffen und sagen: Wie kriegt ihr es hin, klimaneutral zu werden? Also dauerhaft Anreize schaffen. Gibt es denn schon irgendwas, wo du sagen würdest: Ja, da geht es in die richtige Richtung, da ist eine Tendenz da? Ich kann nur sagen: bei Jüngeren – das war eben deine Frage. Bei den Jüngeren stellt man das schon fest, dass die sich natürlich viel mehr mit Klimaneutralität oder damit, was mit unserem Planeten passiert, und so weiter und so fort, mit nachhaltigen Sachen beschäftigen. Bei der älteren Generation – das könnte ich übrigens bei meinen Eltern bestätigen, wo mein Vater jetzt mit 73 über die nächste Solaranlage nachdenkt oder so was. Finde ich auch sportlich. Ich habe immer gesagt, ich will das Haus gar nicht haben. Aber ich fand den Ansatz interessant, weil er gesagt hat: „Ja, für mich rechnet sich das nicht mehr, aber wenn ihr das irgendwann übernehmt …“ Und das ist ja auch die Frage, ob man da natürlich für die Generation, die jetzt Immobilienbesitzer ist, auch Anreize schafft. Das würde mich mal interessieren, welche Dinge es da noch gibt. Aber ich muss schon feststellen, zumindest, wie gesagt, bei meinen Eltern … Also Papa, wenn du das hörst – hier auch offiziell: Ich glaube nicht, dass ich das Haus übernehme. Ich würde dort nicht mit der Familie einziehen, weil es halt in der ländlichen Region ist.
Aber gibt es da irgendwas, wo du sagst: Mensch, da wäre noch mal der richtige Kick für uns in Deutschland drin, sozusagen in den Ergebnissen? Und bei den Handwerkern bin ich dabei, das ist für mich auch ein Riesenproblem. Ich finde es toll, wenn man Programme schafft und sagt: Super, super, wir wollen viel bauen. Wenn ich mir angucke, dass sich die Zahl der Handwerker seit irgendwie 95, 96 – das habe ich irgendwo gelesen – halbiert hat, und letztens kam irgendein IHK-Bericht raus, wie viele Lehrstellen im Handwerk nicht besetzt sind … Da wird einem angst und bange. Wer soll das denn überhaupt bauen?
Michael: Im Koalitionsvertrag ist ja ein spannender Passus drin, der sagt: Wir wollen von der Energieeffizienz weg in Richtung Emissionseffizienz. Das heißt, wir schauen nur noch auf diesen CO2-Abdruck. Das ist ein richtiger Ansatz, das ist pragmatisch. Aber es ist noch nicht in der Umsetzung, und bisher hat die Bundesregierung darüber nicht gesprochen. Aber ich hoffe, das kommt. Und das Zweite ist einfach eine Berechenbarkeit. Wir haben das bei vielen KfW-Programmen erlebt: Die werden aufgelegt, dann gibt es Anträge, und dann ist das auf einmal weg, und dann verändert man die Konditionen. Also da einfach eine größere Planbarkeit. Und die Leute brauchen eben auch, was diese CO2-Bepreisung angeht, einen gewissen Korridor.
Zum Hintergrund: Ab 2027 wird Haushaltsenergie eben auch Teil des Zertifikatehandels in der EU. Das heißt, dann wird ein Zertifikatepreis für die CO2-Emission gehandelt, das heißt, da werden Öl und Gas teurer. Aber man braucht eine gewisse Vorstellung darüber, in welche Richtung das geht und wie man damit umgehen wird. Ich glaube, es wird wahrscheinlich so Kappungsgrenzen geben, dass man sagt: Über einen bestimmten Preis darf es nicht steigen. Aber wenn man da so einen gewissen Pfad vorgeben würde, dann könnte man genau sagen: Okay, so teuer wird es. Und unter den Prämissen lohnt es sich dann eben, auf erneuerbare Energien umzusteigen.
Ländlicher Raum: Energieberatung beim Eigentümerwechsel nach skandinavischem Vorbild
Michael: Was die Älteren angeht, finde ich das ein spannendes Thema, wenn du das so mit deinen Eltern … Ich glaube, es geht ja auch vielen so. Und ich glaube, da muss man sich auch ehrlich machen: Was machen wir eigentlich mit dem ländlichen Raum, was machen wir mit strukturschwachen Regionen? Und macht es Sinn, dort alle diese Immobilien tatsächlich zu sanieren, wohl wissend, dass wir für viele vielleicht auch gar keine Nachnutzer haben? Ich glaube, da ist es schon auch rational von vielen Leuten zu sagen: Da stecke ich jetzt nicht so viel Geld rein.
Und ich glaube, das Erfolgsträchtigste ist, dass wir am Eigentumsübergang ansetzen. Das heißt, dass wir vielleicht auch stärker fordern … In skandinavischen Ländern ist es so: Es gibt eben eine verbindliche Energieberatung beim Eigentümerwechsel, also beim Kauf, aber auch, wenn du eine Immobilie erbst. Dann wird dir genau gesagt: Das müsstest du leisten. Und das wird mitunter auch besonders mit Förderung unterstützt, wenn man die Sanierung dann innerhalb von 2 Jahren durchführt. Denn das ist ja das typische Lebensmodell: Ich bekomme eine neue Immobilie, dann stecke ich Geld rein, und dann mache ich die nächsten 10 oder 15 Jahre wahrscheinlich erst mal nichts. Und da anzusetzen und zu sagen: Okay, du hast diese Immobilie, dann saniere sie, wenn du sie bekommst – das macht auf jeden Fall am meisten Sinn. Aber wie gesagt, am Ende des Tages werden in manchen Regionen, die so strukturschwach sind, auch Immobilien übrig bleiben, die man eben nicht klimaneutral machen wird.
Kommunale Wärmeplanung: Fernwärme in urbanen Räumen
Martin: Aber da noch mal eine Frage – jetzt gehe ich gerade vom Thema ab –: Es gab doch den kommunalen Wärmenutzungsplan, der beschlossen wurde. Korrigier mich, [unverständlich] Der läuft doch weiter, oder?
Michael: Der läuft weiter, genau. Aber ich meine, da geht es ja um Fernwärme, und das ist ja in den meisten Fällen dann eher der urbane Raum. Im ländlichen Raum gibt es das ja häufig nicht, weil es sich gar nicht lohnt, diese ganzen Leitungen zu verlegen. Das ist also eher was im urbanen Raum, und da kann man sich dann natürlich auch ans Fernwärmenetz anschließen. Die Idee ist, dass die Fernwärme dann erneuerbar ist, was häufig ja auch noch nicht der Fall ist, und du dann quasi keine eigene Heizung brauchst.
Martin: Ja, aber das ist ja genau mein Thema. Deswegen haben die kleinen Regionen ja auch – ich glaube, die haben 2 Jahre länger Zeit, diesen kommunalen Wärmenutzungsplan zu erstellen –, also: Wie wollen sie das dann sozusagen hinkriegen? Und da wäre ich nämlich total dabei: Wenn der weiterläuft, dann wird man ja spätestens dann sehen, was in den ländlichen Regionen überhaupt passiert. Denn wenn die sich nicht durch ein Fernwärmesystem, ich sage mal, energetisch besser versorgen könnten oder durch sonstige Themen, dann haben die natürlich ganz, ganz andere Herausforderungen.
Was für mich in der Tendenz gerade so richtig ländliche Regionen sind … Man muss dazu sagen, wir sind, glaube ich, aber sowieso zu fast 70, 80 % irgendwo in urbanen Zentren angesiedelt, wenn man in Deutschland mal schaut. Dann muss man sagen: Das ist natürlich aber ein Teil von Wohnungen, die vielleicht auch wegfallen, weil sie dann einfach energetisch nicht mehr betrieben werden können, weil sie keinen Landarzt mehr haben, keine Infrastruktur, keinen Supermarkt, kein Sonstiges. Der nächste Bäcker ist 15 Minuten weg – auch diese Regionen gibt es ja noch. Aber dann wäre doch der Ausblick eigentlich, dass es genau weiterhin in diese urbanen Zentren geht. Und was wären dann so die Trends, deiner Meinung nach?
Trend Urbanisierung: Warum hohe Mietrenditen auf dem Land riskant sind
Michael: Ja, in vielen ländlichen Regionen gibt es einfach diese Schrumpfungstendenzen. Und wenn du Schrumpfungstendenzen hast, ist es schwer, gegenzusteuern. Denn wenn dann irgendwann der Arzt, der Bäcker und die Schule nicht mehr da sind, dann wird es halt immer unattraktiver. Und deswegen haben wir schon so einen gewissen Sog in die Städte oder zumindest vielleicht in die Umlandgemeinden der Städte. Das wächst also weiter, wir konzentrieren uns irgendwo. Und deswegen macht es einfach auch nicht so viel Sinn, jetzt so viel in diese sehr ländlichen Regionen zu investieren. Es gibt sicherlich auch Ausnahmen: Da, wo es landschaftlich schön ist, siedeln sich vielleicht auch Leute an. Es gibt manchmal auch so ein paar [unverständlich]-Effekte, klar, wenn jetzt irgendwas besonders Spannendes passiert. Aber wir müssen uns schon damit auseinandersetzen, dass es gerade in diesen ganz, ganz ländlichen Regionen immer schwieriger wird. Und das ist, glaube ich, auch für viele Investoren … Es gibt so ein paar, die schauen immer auf die Mietrendite und sehen dann: Mensch, hier, Vulkaneifel, 10 % Mietrendite, ist doch super. Aber dahinter steht eben auch ein gewisses Risiko, dass die Miete irgendwann nicht mehr so fließt. Und insofern muss man das eben mitberücksichtigen.
Martin: Ja, das hatte Claire auch. Deswegen hat Claire nämlich gesagt: Ihr [unverständlich] ist ja grundsätzlich das Einfamilienhaus, aber es soll dann auch schon hier in Hannover sein. In die ländliche Region wollte sie dann doch nicht.
Claire: Ja, jetzt nicht zu ländlich. Wir haben uns dann aber auch mal die Grundstückspreise angeguckt.
Fazit: Demografischer Wandel, barrierearmer Wohnraum und kleinere Wohnungen
Claire: Ja, das war doch aber eigentlich auch schon mal ein ganz schönes Fazit, würde ich sagen. Zum Thema: Was kann denn die Politik oder sozusagen die Öffentlichkeit aus dem Report mitnehmen? In welche Richtung geht das Ganze, oder worauf sollte man sich da auch fokussieren? Habt ihr sonst noch irgendwelche Punkte, wo ihr sagen würdet: Das ist einfach die Erkenntnis aus dem Report, und was machen wir daraus?
Martin: Bevor ich das Michael beantworten lasse: Ich glaube, was wir wirklich unterschätzen – wir haben das jetzt ja beleuchtet –, ist dieses Thema: Was passiert eigentlich in den nächsten, nehmen wir mal, 10 Jahren? Ich habe ja mal gesagt: In den nächsten 10 Jahren wandern 16 Millionen Menschen irgendwo in die Rente, die aber heute ein ganz anderes Bewusstsein haben. Man spricht ja dann immer von den alten Jungen, das sind, glaube ich, die 55er-[unverständlich] oder 55 plus. Die beschäftigen sich natürlich schon mit dem Thema: Wie möchte ich denn später wohnen? Oder möchte ich vielleicht im Wohnmobil reisen, habe nur noch eine kleine Wohnung, möchte die aber barrierearm haben?
Wir haben das Thema: Wir haben in Deutschland einfach deutlich zu wenig barrierearmen Wohnraum. Wir haben einfach zu wenig Neubau. Wir werden die Lücke beim Thema Neubau in den nächsten Jahren auch nicht schließen können. Was für eine Lücke haben wir? Wir haben jetzt, glaube ich, über 700.000, Tendenz 800.000, 900.000 in den nächsten Jahren, weil die Genehmigungsverfahren zu lange dauern und so weiter und so fort. Und ich glaube, das ist natürlich ein ganz, ganz großer Trend. Die demografische Entwicklung in Deutschland bleibt sowieso nach wie vor. Diese Welle kommt einfach wie ein Tsunami auf uns zu, und das wird natürlich den gesamten Wohnungsmarkt verändern.
Vielleicht auch – und das wäre das Nächste wieder –, das hat mal ein Professor auf der Expo vor 23 Jahren gesagt. Da kam die Frage, wie man am einfachsten Energiekosten sparen kann. Und die Antwort war – er hat dann auch gleich mal kurz gewartet und sagte –: weniger Kubik. Und das ist, glaube ich, auch so ein Trend, dass man eher zu kleinteiligeren Wohnungen geht. Aber das wäre jetzt so meine Prognose, bevor ich natürlich das Wort zum Schluss an Michael gebe: Was ist für alle da draußen wichtig, warum ist der Vermieterreport so wichtig, und warum sollten wir nach wie vor in Immobilien investieren, wenn sie vernünftig gemanagt sind? Was wir festgestellt haben: 2,5 Millionen Menschen, also 50 %, tun das nicht. Lieber Michael.
Fazit des Vermieterreports: Anreize und Planungssicherheit statt Konflikt
Michael: Ja, du hast da viele, viele spannende Themen aufgerufen. Ich glaube, auch dieses Thema Demografie wird uns noch sehr, sehr begleiten. Einfach auch die Überalterung, die wir in der Gesellschaft haben, und das, was das ja auch mit dem Wohnungsbedarf macht, wenn wir auf einmal in Deutschland 10 Millionen Menschen haben, die über 80 sind. Da gibt es viele, viele spannende Fragen, die wir noch stellen können.
Was den Vermieterreport angeht: Unsere Intention ist, damit einfach einen Impuls zu setzen. Uns zu verdeutlichen, wie heterogen dieser Vermietermarkt eben ist, dass es eine sehr große Gruppe ist, dass es viele wirkliche Kleinvermieter gibt, die eben ganz wenige Immobilien haben, dass diese größeren privaten Vermieter wirklich eher die Ausnahme sind. Es gibt ja auch sehr unterschiedliche Einschätzungen der Vermieter. Wir haben ja auch schon mal zu politischen Maßnahmen gefragt, auch da stellt man dann ein sehr heterogenes Bild fest. Und ich glaube aber auch, was für die Politik einfach ganz, ganz wichtig ist zu verstehen: dass man diese Gruppe auch irgendwo adressieren muss, dass man sich eben darauf einstellen muss und dass man ihr eben auch etwas anbieten muss, damit diese gesellschaftlichen Ziele auch erreicht werden. Dass man das nicht einfach nur überstülpen kann, sondern dass man eben auch Anreize setzen und Planungssicherheit schaffen muss, damit dieser Markt dann auch einvernehmlich funktioniert.
Und ich glaube, das ist auch ein wichtiger Punkt: Wir haben es im Arbeitsmarkt irgendwann geschafft, diesen Konflikt zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern eigentlich zu überwinden. Heute ist man überwiegend der Meinung, dass man ja gemeinsam an etwas arbeitet. Und da muss es eigentlich auch im Mietwohnungsmarkt hingehen, dass man sagt: Das sind nicht 2 Seiten, sondern die haben beide eigentlich das Interesse an einem guten, funktionierenden Markt und einem guten Wohnungsangebot. Und wenn wir dieses Bewusstsein mit solchen Analysen auch in der Politik schärfen können, dann haben wir schon was gewonnen.
Martin: Dann könnte man eigentlich sagen: Den Vermieterreport müssten wir vielleicht dem einen oder anderen Politiker mal mitgeben, damit er sich das Ganze anschaut. Denn wenn wir bis 2045 klimaneutral werden wollen, dann wird natürlich an den Bestandsimmobilien … Jetzt lassen wir den Neubau mal kurz raus, weil das natürlich ein super interessantes Feld ist, auch ein interessantes Investitionsfeld. Aber durch den Vermieterreport sieht man natürlich diejenigen, die jetzt sozusagen die Immobilien besitzen, meist genau diesen alten Bestand. Und da müsste man doch jetzt rangehen und einfach sagen: Hey, Moment, bis 2045 will ich das hier in meiner Stadt erreichen, dann muss ich jetzt irgendwo anfangen, Dinge zu vereinfachen und spannender, attraktiver zu machen für diejenigen, die jetzt sozusagen Bestandshalter sind. Das ist, glaube ich, die einzige Chance, die ich da habe.
Michael: Ja, und es ist einfach klar, dass uns die Zeit ja wegläuft, wenn wir 2045 als Ziel gesetzt haben. 20 Jahre klingt jetzt noch viel. Aber es müssen jetzt die Entscheidungen getroffen werden, damit dann auch tatsächlich die Maßnahmen bis dahin ergriffen werden. Wir haben bei Immobilien einen typischen Sanierungszyklus von 30 bis 40 Jahren. Das heißt also, ich muss jetzt wirklich in die Puschen kommen, damit da auch genug passiert.
Verabschiedung: Vermieterreport in den Shownotes
Claire: Ja. Ein super spannendes Thema und sehr interessante Einblicke in diesen Vermieterreport. Ich bedanke mich ganz, ganz herzlich bei Michael, dass er die Zeit gefunden hat und uns da mal einen Einblick gegeben hat, und natürlich auch bei dir, Martin.
Martin: [unverständlich] Ja, sehr, sehr gerne.
Michael: Sehr gerne.
Claire: Und genau, an alle, die jetzt noch interessierter an dem Vermieterreport sind und sich das Ganze auch mal durchlesen wollen: Wie gesagt, der ist unten bei uns verlinkt. Und ja, vielen Dank.
Martin: Ja, auch ich möchte mich bedanken. Lieber Michael, vielen Dank, es hat mal wieder Spaß gemacht. Ich freue mich auf den nächsten Austausch. Auf der Messe in Düsseldorf werde ich es leider nicht schaffen, aber ich denke, da haben wir sicherlich noch die eine oder andere Veranstaltung, auf der wir uns sehen. Vielen Dank. Ich glaube, es waren ein paar super spannende Punkte dabei. Wir müssen mal gucken, welcher Politiker jetzt das Ding von uns zugesteckt kriegt. Oder sollte jetzt jemand zugehört haben, kann er es auch anfordern. Also vielen Dank, und ja, bis bald in einer neuen Folge, würde ich sagen.
Claire: Genau.
Michael: Bis dann, wunderbar. Vielen Dank, tschüss.
Martin: Dann kann man ja jetzt hier mal …
